Aus dem Französischen von Heinz Jatho. Vom Mittelalter bis ins neunzehnte Jahrhundert sucht die Wolke den Himmel der abendländischen Malerei heim. Dabei erscheint sie weniger als deskriptives Motiv denn als Element der pikturalen Semiotik, dessen Funktionen mit der Zeit variieren. Während sie zunächst dazu dient, um etwa in Himmelfahrtsdarstellungen das Heilige im Realen erscheinen zu lassen, spielt die Wolke in der Renaissance zum Zeitpunkt der Durchsetzung des perspektivischen Modells eine wesentlich mehrdeutigere Rolle: Sie maskiert das undarstellbare Unendliche und bezeichnet es zugleich und kann so das paradoxe Gleichgewicht einer eng an die Bedingungen der Wissenschaft gebundenen pikturalen Institution sichern.Hubert Damisch versucht, durch eine Bestandsaufnahme der Funktionen des Signifikanten /Wolke/ eine kritische Umverteilung der Rollen vorzunehmen, die der Kunst, der Wissenschaft und der Ideologie in der Struktur der Repräsentation zugesprochen werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2013
Nicht veraltet erscheint Christine Brandner Hubert Damischs erstmals vor 40 Jahren erschienene "Theorie der Wolke", mit der der Kunsthistoriker dem piktoralen Denken in der Malerei anhand des Unbewussten nachspürt. Zunächst den Wolken in der Malerei vom 15. bis ins 19. Jahrhundert in, wie Brandner findet, "nahsichtigen" Bildanalysen nachschauend, erschließt der Text der Rezensentin nach einiger Anstrengung ihrerseits schließlich die historische Dimension eines strukturalistischen Modells, und das scheint Brandner noch immer spannend.
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