Ausgewählt und mit einem Nachwort von Klaus Siblewski. Der radikalste Sprachkünstler unter den Lyrikern des 20. Jahrhunderts, Ernst Jandl, hat einige der eindrucksvollsten und eingängigsten Liebesgedichte geschrieben - und vielleicht auch einige der überraschendsten. Sein wohl berühmtestes Liebesgedicht ist "liegen bei dir". In wenigen sachlichen Zeilen beschreibt er, wer wen im Arm hält, bemißt mit nicht zu überbietender Anschaulichkeit, welche Bedeutung die Liebe für ihn hat: Zuflucht und Halt. In anderen seiner Liebesgedichte geht es drastischer und direkter oder auch zurückhaltender und feiner zu.
Großen Eindruck haben Ernst Jandls posthum veröffentlichte Liebesgedichte auf Franz Schuh gemacht. Denn Jandl dekonstruiere mit seinen Texten die Liebe und setze gleichzeitig in ihnen wieder zusammen, "was als Liebe noch möglich ist". Und das ist Schuh zufolge Körperliches, Schmerz und "große Momente einer prekären Zusammengehörigkeit". Man könne diese Gedichte sogar, schreibt Schuh, theologisch lesen: Liebe als Seinsvermehrung nämlich, in deren brüchigem Glück es sogar manchmal so etwas wie Erlösung gibt. Auch das Nachwort von Ernst Jandls einstigem Lektor Klaus Siblewski findet Schuh meisterhaft.
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