Nachgelassene Manuskripte und Texte herausgegeben von Klaus Christian Köhnke, John Michael Krois und Oswald Schwemmer. Band 5 herausgegeben von Rüdiger Kramme. Die nachgelassenen Aufzeichnungen und Papiere Ernst Cassirers sind seit Anfang der sechziger Jahre im Besitz der Beinecke Rare Book and Manuscript Library an der Yale University (New Haven, Conn.) und vollständig erhalten. Der umfangreiche, für diese Ausgabe erstmals systematisch gesichtete und durchgängig erschlossene Nachlass umfasst neben den Reinschriften der von Cassirer selbst zur Veröffentlichung gebrachten Werke und Schriften eine große Anzahl unveröffentlichter Manuskripte aus allen Bereichen seines wissenschaftlichen und philosophischen Lebenswerks. Neben den Forschungs- und Vorlesungsmanuskripten, die nicht unmittelbar zum Zwecke der Publikation ausgearbeitet wurden, aber gleichwohl zum materialen Grundbestand seines Werkes gehören, sind es vor allem die vor und nach der 1933 erzwungenen Emigration Cassirers unter den erschwerten Bedingungen des Exils in England, Schweden und den USA entstandenen unveröffentlichten Aufzeichnungen, Vorträge und Schriften, die für die Beurteilung der systematischen Konzeption und Fortentwicklung der Philosophie Ernst Cassirers von unschätzbarer Bedeutung sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.10.2004
Eine "kleine Sensation" sieht Rezensent Ralf Konersmann in diesen nun vorliegenden nachgelassenen Texten, Vorlesungen und Vorträge 1929-1941, von Ernst Cassirer. Nicht nur beleuchteten diese Aufzeichnungen "wie eine Großaufnahme" Cassirers Weg zur Kulturphilosophie. Sie ließen auch eine jener Bruchlinien deutlich sichtbar hervortreten, die das Denken des 20. Jahrhunderts durchziehen. Konersmann beobachtet hier nämlich Cassirers Wende zur Kultur. Ausgangspunkt dieser Neuorientierung sei für Cassirer die Einsicht, dass die Philosophie "nicht im Leeren bauen", dass sie "nicht aus reinen Begriffen spekulative Behauptungen über das Wesen der Wirklichkeit ableiten" (Cassirer) könne. Konersmann akzentuiert, dass Cassirer die Philosophie auf einen lebendigen Austausch mit den Einzelwissenschaften verpflichten wolle. Dabei verkläre er die Kultur nicht, sondern plädiere für eine funktionale Betrachtungsweise, die für Verfehlungen und Verluste der Zivilisationsentwicklung empfänglich bleibe und sie benenne.
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