Ernst Augustin

Robinsons blaues Haus

Roman
Cover: Robinsons blaues Haus
C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406629969
Gebunden, 330 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Daniel Defoe sagt, er habe eines der unglaublichsten und abenteuerlichsten Leben gelebt. Ich sage: Ich auch. Mein Vater hatte mich eines Tages beiseite genommen: Du wirst es einmal schwer haben, mein Sohn, du wirst entdecken, dass du allein bist, dass du dich auf einer Insel befindest - inmitten eines Ozeans von Menschen, die alle laut reden und alle etwas anderes meinen. Die ihre Seele daran setzen werden, dich von deiner Insel zu vertreiben, es sind sechs Milliarden, alle miteinander, kannst du das verstehen? Ja, Vater. Nein, sagte er. Es ist die Fabel vom letzten Robinson in einer Welt nicht mehr vorhandener Freiräume. In Grevesmühlen, in blauer Südsee, im Londoner Kerker, im Spiegelhaus auf dem Wyman Tower. Es gibt einen hochpolierten Freitag, eine Dame mit Schritt, es gibt eine abgesoffene Kirche, ein Imperium von Besenkammern und es gibt Luxus, illuminierte Zahnbürsten, Tangomusik, bernsteinfarbenes Licht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.05.2012

Hochpoetisch erscheint dem Rezensenten Mathias Schnitzler dieser Roman des früheren Psychiaters Ernst Augustin. Wie schon in den früheren Büchern des Autors, stößt Schnitzler auf eine Welt am Rand der Wirklichkeit, auf eine Figur, die so sympathisch wie sonderlich ist und ein modernes Robinsonleben führt, in der deutschen Provinz, die der Autor laut Rezensent schildert, als handele es sich um die große weite Welt, und in der weiten Welt selbst, schließlich auf eine versponnene Geschichte, picaresk, voll Witz und Geist und Farbe, wie Schnitzler begeistert versichert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.05.2012

"Souverän" ist das Wort für dieses Buch und seinen Autor, den 85-jährigen Ernst Augustin, dem damit ein Alterswerk gelingt, und was für eins, wie Helmut Böttiger versichert. Alter, Tod und Kindheit, wie sich das gehört für so ein Buch, findet der Rezensent hier schön vereint, weil Augustin Lebensmotive mit sehr leichter Hand assoziativ montiert. Den größeren Zusammenhang vermisst Böttiger gar nicht. Ein Erzählen ist das, findet er, das sich Krimi und Traum, Poesie und andere Genres aneignet und unversehens fast zwingend zu einer Geschichte formt. Archaisch modern, befindet Böttiger respektvoll.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2012

Friedmar Apel sieht Ernst Augustins Imaginationen fantastischer Gebäude, wie die, in die sich der Erzähler seines Romans "Robinsons blaues Haus" hineinfantasiert, in der Tradition eines Horace Walpole oder William Beckford, allerdings hier in "vierdimensionaler" Überbietung. Literarisch allerdings erinnert ihn der vorliegende Roman, der die abenteuerliche Lebensbeschreibung des Ich-Erzählers verspricht, sich allerdings ständig auf abschweifende Nebenwege begibt, eher an Laurence Sterns "Tristam Shandy", so der Rezensent. Mitunter findet er das zugegebener Weise etwas anstrengend, insgesamt hat er aber diesen Roman, der unter anderem auch die "virtuelle Realität des Finanzwesens" als alternatives Geisterreich gegenüber der Fantasie beschwört, in vollen Zügen genossen, wie er versichert. Denn Augustin ist ein einzigartiger Erzähler, preist Apel, der diesem modernen Robinson gern von Grevesmühlen, New York, London oder einer Südseeinsel auf der Suche nach seinem Freitag gefolgt ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.03.2012

Allenthalten wird in diesem Roman in Häuser eingezogen und sich wohnlich gegen die Außenwelt eingerichtet, beobachtet Rezensent Ulrich Rüdenauer, der darin eine "Fantasie über das langsame Verschwinden" sieht: Verschanzungen gegen die äußere Welt als Abwehr des eigenen Todes. Wobei es dem Buch aber keineswegs an Mobilität mangele: Auf eine abwechslungsreiche Reise von Grevesmühlen bis an die Südsee hat sich der Rezensent hier mit Freude mitnehmen lassen, auch wenn ihm bald dämmert, dass es sich dabei wohl um Imaginationen des Erzählers handeln dürfte. Ein Motiv, das Rüdenauer, ein Kenner von Augustins Werk, bereits aus anderen Romanen des Autors vertraut ist, in denen er für diese Rezension nochmals ein paar Passagen nachgeblättert hat: "Robinsons blaues Haus" hält der Rezensent auch im Werkkontext betrachtet für ein Spiel mit literarischen Formen, mit der eigenen Identität und schlussendlich auch mit den Möglichkeiten der Fantasie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.02.2012

Harald Eggebrecht hat es in "Robinsons blauem Haus" so gut gefallen, dass er sich darin nur zu gern für immer niederlassen würde. Der Rezensent schätzt den Autor, der lange als Arzt und Psychiater unter anderem in Afghanistan tätig war, als Meister einer geschmeidigen, sinnlichen, dabei trotzdem genauen und knappen Sprache, erfreut sich an seinem Witz und an seinen üppigen Erzählgebäuden. Der vorliegende Roman, als der letzte von Augustin angekündigt, erzählt von einem Robinson, der seinen Freitag sucht, zwischen Mecklenburg und der Südsee, Traum und Wirklichkeit, Kindheit und Gegenwart, im Chatroom und im Gefängnis, unter Wasser und in den Hochhäusern von New York, erfahren wir vom Rezensenten, der mit einer "glatten" Handlungszusammenfassung nicht aufwarten kann, wie er klarmacht. Aber einmal mehr begibt er sich begeistert in Augustins "Welten grenzenloser Imagination", in der das Vertraute fern und das Ferne nah erscheint und berauscht sich am ihn stets aufs Neue gefangen nehmenden "Sound" seines Erzählkosmos.
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