Ernesto de Martino

Die magische Welt

Prolegomena zu einer Geschichte der Magie
Cover: Die magische Welt
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751804073
Gebunden, 388 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Ulrich von Loyen. Mit einem Vorwort von Renato Solmi. Für Ernesto de Martino ist die Magie weder ein einziger großer Irrtum noch etwas in der Evolution unserer Gesellschaften Überwundenes, sondern beschreibt das für die Menschwerdung unabdingbare existenzielle Drama, das einen über Gegenstände vermittelten Bezug von Ich und Welt überhaupt erst ermöglicht. Dabei lauert der Zusammenbruch der Ordnungen, die von de Martino sogenannte Krise der Präsenz, auch in der zeitgenössischen, modernen Welt. Was aber folgt daraus, wenn man die in Ritualen von Magiern und Schamanen formulierten Ansprüche ernst nimmt? Ernesto de Martino schrieb dieses Buch rund um Europas Stunde Null, in der Hoffnung auf eine "umfassende Befreiung des Geistes". Mit ungekannter Radikalität stellt seine umfangreiche, 1948 erstmals erschienene Studie die Frage nach der Rolle der Magie in der Geschichte der Menschheit. Mit dieser um Selbstaussagen und Rezeptionszeugnissen angereicherten Ausgabe wird ein Klassiker nicht nur der italienischen Kulturtheorie erstmals in Deutschland zugänglich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.12.2025

Rezensent Thomas Steinfeld bekommt mit der verspäteten deutschen Übersetzung Buch des Philosophen und Religionshistorikers Ernesto de Martino ein "Grundlagenwerk" über Zauberei und Schamanentum in paganen Gesellschaften. Was der Autor 1948 aufschrieb, verstand er laut Steinfeld als Beschäftigung mit einem blinden Fleck der Aufklärung. Übersetzt und kundig eingeführt von Ulrich van Loyen bietet der Band Steinfeld die Möglichkeit, einer Wissenschaft beim Entstehen zuzusehen. Dazu gehört auch, dass der Autor sich gegen Parapsychologie und Okkultismus abgrenzt, so Steinfeld. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2025

Seltsam, dass ein Verlag jetzt dieses Buch ausgräbt, wundert sich Karl-Heinz Kohl. Es handelt sich um das 1948 erschienene Hauptwerk Ernesto de Martinos, eines Kulturanthropologen, der, wie Kohl anmerkt, durchaus Relevantes geleistet hat, hier aber auf Methoden zurückgreift, die schon damals veraltet waren. In seiner Untersuchung magischer Praktiken diverser Kulturen beschäftigt er sich nämlich hauptsächlich mit älteren Reiseberichten zum Beispiel von Missionaren und findet laut Kritiker Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Techniken des Übersinnlichen. Martino glaubt dabei zwar nicht alles, was er liest, argumentiert aber stets gegen rationalistische Erklärungsmuster, erklärt Kohl, Insgesamt gehe es Martino darum, die Magie als eigenständige Erfahrungsform neben andere Weltbeschreibungen zu rücken. Kohl, seinerseits Ethnologe, lobt zwar die wertige Aufmachung der Veröffentlichung, hält inhaltlich von alldem aber nicht allzu viel, erst recht nicht, wenn Martino seine Ausführungen mit Philosophie Heidegger'scher Provenienz anreichert. Liegt es etwa am gegenwärtigen Boom von KI und anderen schwer erklärlichen Technikphänomenen, dass einer wie Martino plötzlich wieder relevant ist, fragt er sich ratlos.

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