Erik Fosnes Hansen

Das Löwenmädchen

Roman
Cover: Das Löwenmädchen
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2008
ISBN 9783462039733
Gebunden, 400 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Am 13.12.1912 kommt in einem kleinen Dorf in Norwegen ein Kind zur Welt, das über und über mit feinem, hellblondem Haar bedeckt ist. Die Mutter stirbt bei der Geburt, und der Vater, Stationsmeister Arctander, ein harter und pflichtbewusster Mann, will zunächst nichts von seiner Tochter wissen. Eva leidet an einer seltenen Krankheit, einem Gendefekt, durch den ihr ganzer Körper behaart ist. Ein interessanter Fall für die Wissenschaft, doch zunächst ein Problem für Stationsmeister Arctander und eine Handvoll Eingeweihter, die sich um das Baby sorgen. Arctander, in tiefer Trauer um seine geliebte Frau, ekelt und schämt sich, und das Kind wird versteckt. Gleichwohl verbreitet sich die Kunde des seltsamen Mädchens wie ein Lauffeuer im Dorf. So wächst Eva heran: Abgeschottet von den neugierigen Blicken der Dorfbewohner und ohne Kontakt nach draußen schafft sie sich eine eigene Welt, bis sie, zunächst schüchtern, doch dann mit großer Durchsetzungskraft, der Enge ihres Zimmers immer mehr zu entfliehen beginnt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2008

Rezensent Uwe Stolzmann stimmt eine regelrechte Lobeshymne auf diesen "leichtfüßigen" Roman an. Das Buch ist in seinen Augen "große Literatur", eines jener seltenen Werke, bei denen man als Leser das Gefühl bekomme, "der Autor habe - auf wohltuende Weise - alles richtig gemacht". Beeindruckt fasst Stolzmann zusammen, was dem norwegischen Autor Erik Fosnes Hansen alles gelingt: die Ansprüche der "Kunst" ebenso zu befriedigen wie die des "Markts", und dabei ein "weites Publikum" glücklich zu machen, aber eben auch die "schöngeistige Fachkritik". Hansen erzählt die Geschichte eines Mädchens, das 1912 mit einem Gendefekt geboren wird: der ganze Körper ist mit Haaren bedeckt, wie ein Katzenfell. Für den Rezensenten ist diese weit entfernt scheinende Geschichte, in der "das Grauen stetig wächst", der aber auch Komik nicht fremd ist, absolut modern.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.07.2008

Mit Interesse hat Rezensentin Tanya Lieske diesen Roman über die hochbegabte junge Eva gelesen, deren Handicap ein unnatürlicher Haarwuchs am ganzen Körper ist. Die Geschichte beginnt ihren Informationen zufolge mit der Geburt des Mädchen, die seine Mutter das Leben kostet. Das Kind wird von einem humanistisch gesinnten Ehepaar aufgezogen, aber vor der Welt verborgen gehalten. In drei "Momentaufnahmen" könne man das Heranwachsen verfolgen. Eine spezielle Begabung macht das Mädchen, wie wir lesen, zum Modellfall einer Existenz zwischen Aberglaube und Wissenschaft, Emotion und Ratio. Aber auch die Existenz dieses Wesens selbst. Viele interessante Fragen werden hier nach Ansicht der Rezensentin angerissen, die auch über höchst gelungene poetische Miniaturen und "glanzvoll erzählte Passagen" staunt. Insgesamt bleibt sie doch ein bisschen hungrig und mit unerfüllten Erwartungen an einen Autor zurück, der sie mit seinem Titanic-Roman "Choral am Ende" vor dreizehn Jahren sehr begeistert hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2008

Erik Fosnes Hansens Einfall, in seinem jüngsten Roman die Welt der Jahrmärkte und Kuriositätenschauen wiederzubeleben, ist laut Matthias Hannemann ein riskantes Unterfangen, evoziert es doch eine Nostalgie, bei der der Kitsch bekanntlich nicht fern ist. Der norwegische Autor erzählt vom Mädchen Eva, das unter Hypertrichose leidet, dem dichten Haarwuchs am ganzen Körper, und das sich aus den beengenden Lebensumständen einer Stationswärterfamilie in die Jahrmarktwelt rettet. Wie schon in seinem Bestseller "Choral am Ende der Reise" gelingt es Hansen aber auch hier, eine Geschichte mit Sogwirkung zu konstruieren, die ein melancholisches Märchen erzählt und dabei spielerisch mit den "nostalgischen Klischees" umgeht, ohne ihnen zu erliegen, lobt der Rezensent, den der Schluss allenfalls etwas abrupt anmutet.
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