Klugheit sorgt für Können. Auf diesen Verdacht aufbauend, untersucht Emanuel Seitz das Wesen der Klugheit von ihren Anfängen in der antiken Philosophie bis zu den Neuinterpretationen Heideggers. Er befreit Klugheit von ihrem schlechten Ruf, bloß ein instrumentelles Kalkül zu sein. Ihre eigentliche Aufgabe ist die Beratung über die Form des Lebens und den geschickten Umgang mit der Welt. Der Versuch, menschliches Handeln klug zu denken, bringt die blinden Flecken in den modernen Theorien über Moral, Politik und Gesellschaft ans Licht: Er beleuchtet das Rätsel des Übens, erforscht den Hintersinn der List und erkundet, was den Menschen jenseits des Notwendigen möglich ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2020
Wolfgang Hellmich hat lange kein so schlaues Buch gelesen wie das von Emanuel Seitz. Dass es sich dabei um eine philosophische Doktorarbeit handelt, erfährt Hellmich erst durch eigene Recherche. Möglicherweise ist das beabsichtigt, denkt er. Klug erscheint ihm, wie sich der Autor "aus dem Nichts" und in einfacher, aber metaphernreicher Sprache an Begriffen und am "Klugheitslehrer" Aristoteles abarbeitet. Visionär scheint ihm und als ein Stück utopischer Philosophie, wie Seitz den "Klugheits-Motivationstrainer" gibt und auf individuelles Können setzt, weniger auf Moral, weniger auf Perfektion.
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