Anfang der vierziger Jahre läßt die aus Deutschland geflüchtete Else Lasker-Schüler die prominentesten Nazis zur Hölle fahren: In dem im Jerusalemer Exil geschriebenen, zu Lebzeiten unveröffentlichten Stück IchundIch rechnet sie mit dem Hitlertum ab, rasant setzt sie ihr politisches Weltgericht in Szene. Goethes Faust-Personal gibt sich mit Personen der Zeitgeschichte ein Stelldichein. Marthe Schwerdtlein flirtet unverhohlen mit Goebbels, den Mephisto nebst Göring, Heß und von Schirach zu einem Geschäftsessen empfängt. Am Ende dieses "Höllenspiels" verliert Hitler "die geraubte Welt" und versinkt mit all seinen Schergen rettungslos im Höllenschlamm. Die vorliegende Textausgabe basiert auf dem einzigen im Nachlaß überlieferten Typoskript von IchundIch, Anmerkungen und ein Nachwort erhellen die Entstehungsgeschichte und Bezüge des Stückes.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.03.2010
In einer Doppelrezension zeigt sich Beate Tröger tief beeindruckt von Else Lasker-Schülers nun erstmals vollständig abgedrucktem Theaterstück "Ichundich" und sehr verärgert von einer neuen Biografie der Dichterin. In "Ichundich" treten unter anderem die Dichterin selbst, Regisseur Max Reinhardt, einige alttestamentarische Könige sowie Hitler, Ribbentrop und Himmler auf, zudem werden Motive des klassischen Literaturkanons mit Versatzstücken aus dem eigenen Werk collagiert, erklärt Tröger. Das Drama, das zwischen 1940 und 1941 im Exil in Palästina entstand, findet ganz neue Sprach- und Ausdrucksformen für die Exilerfahrung und die historische Situation, preist die Rezensentin. Sie staunt dabei nicht zuletzt über die "politische Hellsichtigkeit" des Stücks, die auch Mitherausgeber Kevin Vennemann in seinem erhellenden Nachwort hervorhebt, wie sie uns wissen lässt.
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