Elin Hansson

Zweiklang

(Ab 14 Jahre)
Cover: Zweiklang
Arctis Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783038800989
Gebunden, 320 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Meike Blatzheim und Sarah Onkels. Seit dem Tod seiner Mutter lebt Torleif weit weg von seiner Familie in der Großstadt, wo er das Gefühl hat, endlich er selbst sein zu können. Doch als sein Großvater krank wird, muss Torleif zurückkehren - in sein Heimatdorf, wo seine Begeisterung für Musik als "unmännlich" belächelt wird und "schwul" noch als Schimpfwort gilt. Auch sein Vater und sein Bruder interessieren sich mehr für die Elchjagd als für Torleifs Leidenschaft, die Hardangerfiedel. Nur in der Geigenbauwerkstatt des Großvaters und in der örtlichen Musikschule findet er Zuflucht - bis er auf den japanischen Austauschstudenten Horimyo trifft und all die ungesagten Dinge drohen, an die Oberfläche zu treten.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 17.07.2025

Ein starkes Buch, das in eine außergewöhnliche Welt entführt, findet Rezensentin Jana Magdanz hier vor: Die Hauptfigur Torleif stammt aus einem abgelegenen norwegischen Dorf und kehrt dorthin nach einem Krankheitsfall in der Familie zurück, wodurch er auch wieder an den Ort gelangt, den er immer besonders geliebt hat: die Geigenbauwerkstatt seines Großvaters. Wie überhaupt die Geigen und die volkstümliche Musik für ihn ein Rückzugsort sind, während er ansonsten, lesen wir weiter, mit dem rauen dörflichen Leben wenig anfangen kann. Insbesondere ist er über die Homophobie der Einheimischen schockiert - er selbst verliebt sich in seinem Heimatort in einen Musiklehrer, was zu den inneren und äußeren Konflikten beiträgt, die sich bald entspinnen. Nicht alles an dieser Handlung ist originell, gesteht Magdanz ein, aber insgesamt ist Hansson ein leicht lesbares und emotional vielseitiges Jugendbuch gelungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025

Elin Hanssons jugendlicher Protagonist Torleif ist ein versierter Musiker, verrät Rezensentin Anna Nowaczyk, er spielt die Hardangerfiedel und lebt im Musikinternat - dem Buch ist sogar ein QR-Code für eine Playlist beigefügt, die Nowaczyk die Figur noch näher bringt. Torleif erhalte einen Anruf, seinem Großvater gehe es nicht gut und er solle in sein Heimatdorf zurückkommen. Er hat Angst, lesen wir, die Erinnerung an seine tote Mutter begleitet ihn ebenso wie die Angst, dass einer der engstirnigen Dorfbewohner von seiner Homosexualität erfahren könnte. Er nehme sich im Laufe der doch eher handlungsarmen, aber atmosphärisch reichen Geschichte den Raum, er selbst zu sein, Hansson vermittle das mit eigensinnigen, aber höchst musischen Sprachbildern. So sei das Verhältnis zum Bruder wie eine "verstimmte Geige", das Schweigen des Großvaters komme ihm vor wie ein "Samtbezug in einem Geigenkoffer." Für die Kritikerin ein Buch, in dem man sich trotz der Schwierigkeiten Torleifs wohlfühlt, wie sie schließt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.03.2025

Für die Rezensentin Sylvia Schwab befindet sich dieses Jugendbuch der Norwegerin Elin Hansson "nah am Puls der Zeit": Der 16-jährige Protagonist Torleif ist schwul, kann das aber in seinem konservativen Umfeld nicht wirklich zeigen. Er spielt Hardangerfiedel, ein traditionelles norwegisches Instrument, und soll am Wochenende auftreten. Doch die Anfeindungen machen ihm, der auch am Krebstod der Mutter leidet, zu schaffen. Dann lernt er den japanischen Künstler Horimyo kennen, verliebt sich und erkennt schließlich, wie wichtig es ist, zu sich zu stehen, so Schwab, die das alles gut nachvollziehen kann. Einfühlsam schildere Hansson die angespannten Familienverhältnisse zwischen toter Mutter und krankem Großvater, sodass Torleifs sensible Persönlichkeit für Schwab lebensnah erfahrbar ist. Eine Leseempfehlung.

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