Eli Zaretsky

Freuds Jahrhundert

Die Geschichte der Psychoanalyse
Cover: Freuds Jahrhundert
Zsolnay Verlag, Wien 2006
ISBN 9783552053724
Gebunden, 622 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Klaus Binder und Bernd Leineweber. Was zu Beginn des letzten Jahrhunderts mit den eigenwilligen Forschungen des jungen Doktor Freud begann, hat das Selbstverständnis des Menschen und seine Kultur verändert wie kaum eine andere Theorie. Eli Zaretsky hat nun die erste wirklich umfassende Geschichte der Psychoanalyse geschrieben. Sie handelt nicht nur von den prominenten Protagonisten - von Freud und Adler bis zu Lacan - sondern versteht die psychoanalytische Bewegung als einen zentralen Akteur der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.07.2006

Lobende Worte findet Martin Lüdke für diese Geschichte der Psychoanalyse, die der Kulturhistoriker Eli Zaretsky vorgelegt hat. Bemerkenswert scheint ihm die Perspektive des Autors: die Schilderung der Entwicklung der Psychoanalyse aus soziologischer Sicht. Vor dem Hintergrund der Geschichte des 20. Jahrhunderts beschreibe Zaretsky die verschiedenen Phasen der Analyse und verdeutliche dabei die Reaktionen der Theorie auf die Veränderungen der sozialen Bedingungen. So entsteht für Lüdke ein "weites Panorama" der Psychoanalyse. Lüdke unterstreicht außerdem das besondere Interesse des Autors an den Gründen für die erstaunliche Wirkung der Tiefenpsychologie. Den "skeptischen Ausblick" auf die Zukunft der Analyse am Ende des Werks hält Lüdke zwar für diskussionswürdig. Sich darin verbeißen, mag er aber nicht. Schließlich habe sich der Versuch, "die Geschichte der Psychoanalyse historisch zu verstehen", so Zaretsky selbst, mehr als gelohnt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.05.2006

Eli Zaretskys Geschichte der Psychoanalyse ist durch und durch ein "sehr verständiges Buch", lobt der Rezensent Jan Feddersen. Interessant findet er vor allem die Behauptung des Autors, die "charismatische Ära" der Psychoanalyse habe schon in den Dreißiger Jahren mit dem Erfolg der "völkischen Regime" ihr eigentliches Ende genommen, und dass obwohl Schlagwörter wie "Ödipus", "Zwangsneurose" oder "Unbehagen an der Kultur" in den späten Sechzigern einen regelrechten Hype erlebten. Das Ende der "charismatischen Ära" sei jedoch kein Ende an sich: Insbesondere für die Nachkriegszeit spreche Zaretsky der psychoanalytischen "Lehre des Subjektiven" einen "emanzipatorischen Wert" zu; insofern als sie eine Art Kontrapunkt zum Marktdiktum des Kapitalismus setzt, indem sie "die inneren Verwerfungen, die aus der Qual erwuchsen, mündig sein zu müssen" deutet. Die Psychoanalyse, so das Fazit des Rezensenten, hat überall da ihren Platz, wo es darum geht, "die Geburt zum modernen Individuum, frei von Familienzwang und Religionsfuror, zu bewältigen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2006

Auch wenn sich manches wiederholt, Eli Zaretskys Geschichte der Rezeption von Freud ist "lesenswert", meint Eberhard Rathgeb, der Zaretskys manchmal fast lässige Art der Zusammenstellung zumindest "spannender" findet als das eher trockene Handbuch von Hans-Martin Lohmann und Joachim Pfeiffer, das er gleichzeitig bespricht. Dabei gebe es aber durchaus etwas zu lernen, wenn der Autor die Verarbeitung der Freudschen Ideen durch Denker von Alfred Adler bis Herbert Marcuse Revue passieren ließe. Gut gefällt Rathgeb auch - weshalb er ihn an dieser Stelle ausgiebig zitiert - wie Zaretsky die ihm erhaltenswert erscheinenden Grundgedanken so "locker" präsentiert, "als würde er einen Bund roter Tulpen in die Vase stellen".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.03.2006

Kritisch betrachtet Martin Bauer diese Geschichte der Psychoanalyse, die der Historiker Eli Zaretsky vorgelegt hat. Dass der Autor die Psychoanalyse als Plädoyer für eine neue Lebensform versteht und Freud als "Menschheitsbefreier" und "couragierten Advokaten einer Ethik gelingenden Selbstseins" darstellt, erscheint ihm durchaus vertretbar. Bauer verschweigt nicht, dass Zaretsky auch konkurrierende Interpretationen der Sache Freuds zu Wort kommen lässt. Allerdings vermisst er eine argumentative Auseinandersetzung. Zudem kommt Frankreich als wichtiges Freud-Rezeptionsland seines Erachtens viel zu kurz. Doch damit hätte er leben können. Wirklich ärgerlich findet Bauer dagegen die "atemberaubende Schlampigkeit" des Textes, in dem es vor Ungenauigkeiten nur so wimmelt und in dem im Haupttext angekündigte Fußnoten im Anmerkungsteil dann einfach fehlen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Restlos zufrieden zeigt sich Elisabeth von Thadden mit Eli Zaretskys "außergewöhnlich materialreicher, wunderbar lesbarer" Geschichte der Psychoanalyse. Die Ursprungsfrage nach der umfangreichen Wirkmächtigkeit der Theorie gehe der amerikanische Historiker auf ambitionierte Weise nach, indem er soziologische, wissenschaftshistorische, medizinische und diverse andere Disziplinen verknüpft. Zaretsky verteidige die Psychoanalyse gegen ihre Kritiker wie etwa Carl Schorske und stelle fest, dass sie die Aufklärung nicht beschädigt, sondern vielmehr "umgewandelt" hat. Zaretsky schlage sich aber nicht kritiklos auf Freuds Seite, sondern gehe ausführlich und teilweise humorvoll auf die "Grundprobleme" der Theorie ein. Gut gefallen hat Thadden auch, wie Zaretsky die weltweite "Zersplitterung" der Freudschen Theorie schildert. Nun wünscht sie sich ein Buch darüber, wie die Psychoanalyse in den diversen Teilen der Welt gegenwärtig rezipiert wird.
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