Klappentext

Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Am Morgen hatte sie noch wie jedes Jahr mit ihrem Vater Nozias das Grab der Mutter besucht. Jetzt ist die siebenjährige Claire spurlos verschwunden, am Strand von Ville Rose auf Haiti. Nozias, der Fischer, träumte von einer besseren Zukunft für seine Tochter, frei von Armut und Gewalt. Sie sollte ihr Heimatdorf verlassen, von einer reichen Tuchhändlerin adoptiert werden. Ist Claire deshalb geflohen? Die haitianisch-amerikanische Autorin Danticat erzählt märchenhaft und doch realistisch von Ville Rose, ein Ort, wo Bäume in den Himmel fliegen und Frösche in der Hitze explodieren, und einem Mädchen, das sich nach Familie und Geborgenheit sehnt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2016

Für Irene Binal kann das Haiti aus Edwidge Danticats Roman überall sein. Das ist die tiefere Bedeutung, die sie dem Text beimisst. Daneben fühlt sich Binal einfach gut unterhalten mit den durch kluge Dramaturgie, Bildreichtum, scharfe Beobachtung und das tiefe Verständnis der Autorin für die Schicksale ihrer Figuren geprägten Geschichten. Wie Arm und Reich in der von der Autorin erdachten fiktiven Kleinstadt nahe Port-au-Prince nebeneinander leben, wie jeder für sich nach einem besseren Leben trachtet und wie die Liebe und der Tod ihren Anteil daran haben, erfährt Binal und freut sich, dass es nicht zu düster wird in diesem Buch und die sich zum Roman fügenden Erzählungen etwas entschieden Lebensbejahendes haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2015

Geradezu "mythopoetisch" erscheint dem Rezensenten Christoph Bartmann dieser Roman Edwige Danticats über Leben und Leute in einem fiktiven haitianischen Küstenort. Allein wie die auf Haiti geborene Autorin von den fast biblischen Naturkatastrophen schreibt, etwa von in der Hitze explodierenden Fröschen, verschlägt dem Kritiker fast den Atem. Dennoch wirkt die von Danticat in acht brillant ineinander verwobenen Erzählungen geschilderte Welt auf den Rezensenten "schrecklich schön". Frauen und Orte tragen etwa Blumennamen, berichtet Bartmann, der Traum und Realität während der Lektüre kaum auseinander halten kann. Gelegentlich muss der Kritiker an P.T. Andersons Film "Magnolia" denken, vor allem aber bewundert er die lyrisch-blumige Erzählkunst der Autorin. 
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2015

Rezensent Hans Christoph Buch berührt Edwidge Danticats Buch vom Überlebenskampf der Haitianer am Beispiel der Lebensgeschichte einer jungen Sklavin. Angereichert mit dramaturgischer Finesse und überraschenden Wendungen, liefert die Story dem Rezensenten ein empörendes Bild der haitianischen Gesellschaft. Dass die Autorin weder einen an das Gewissen appellierenden Elendsroman noch eine romantische Verklärung der Misere verfasst hat, quittiert Buch mit Dankbarkeit. Die klischeefreie Diskretion bei der Darstellung der Menschen weiß er zu schätzen, ebenso die poetische Dichte und das parabolische Moment der Geschichte. Vermisst hat er ein Nachwort oder Glossar zur kreolischen Kultur.
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