Edward Carey

Alva und Irva

Roman
Cover: Alva und Irva
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2003
ISBN 9783935890168
Gebunden, 256 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Die Zwillinge Alva und Irva sind vorherbestimmt für eine große Karriere im Postwesen. Ihr Großvater ist Postmeister, der früh verstorbene Vater war Briefträger, und ihre Mutter tut Dienst am Schalter des Hauptpostamtes. Die unzertrennlichen, aber in ihrem Wesen sehr verschiedenen Schwestern haben jedoch anderes im Sinn. Die extrovertierte Alva träumt davon, die Welt zu entdecken, die schüchterne Irva hingegen geht nur ungern aus dem Haus. Aus der Sehnsucht heraus, sich eine eigene Welt zu schaffen, beschließen die beiden, ihre Heimatstadt aus Plastilin nachzubauen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2004

Die unstreitige Heldin des zweiten Romans von Eduard Carey ist weder Alva noch Irva, sondern die Plastilinstadt Entralla, berichtet Rezensent Ulrich Baron, der sich dem "unwiderstehlichen Charme" der Knetmasse nicht entziehen konnte. Die titelgebenden Zwillingsschwestern - introvertiert die eine, abenteuerlustig die andere -, die für den Rezensenten "antagonistische Prinzipien von Abstoßung und Anziehung" darstellen, erbauten Entralla als Miniaturkopie ihrer Heimatstadt. Dabei finde sich die Gegensätzlichkeit der Schwestern im Bild der Knetstadt wieder, das, vermutet Baron, von Careys Osteuropaerfahrungen geprägt wurde. Eine "amüsante Geschichte" mit überraschenden Handlungsverläufen, resümiert der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.11.2003

Karsten Kredel hat sich berühren lassen von Edward Careys märchenhaftem Roman über die "exzentrischen Schwestern" Alva und Irva und ihre Miniaturstadt. Die beiden sind, informiert er, "identische Zwillinge, konträre Charaktere" - der einen ist die Heimatstadt zu klein, der anderen kann sie gar nicht klein genug sein, doch so sehr sie in verschieden große Systemen leben, so untrennbar sind sie zugleich verbunden und lassen einander nicht entfalten - oder sich zurückziehen. "Es gibt kein Entkommen", so die traurige Botschaft von Careys "Elegie der Akzeptanz", doch haben wir, so interpretiert der Rezensent den Ruf des Autors, immer noch den Trost der Miniatur: "Kommen Sie herbei, schauen Sie, wie klitzeklein und reisengroß ein jeder ist!" Und Kredel hat augenscheinlich mit einigem Vergnügen hingeschaut.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2003

Auch und vielleicht gerade weil es um zwei "weltfremde und unhübsche Zwillinge" in einem Ort namens Entralla gehe, hat der Roman von Edward Carey die Rezensenten Angela Schader fasziniert. Der Autor habe in seinem zweiten Roman eine neue Welt geschaffen - und das nicht nur literarisch, sondern auch mit Hilfe von selbst geformten Kunstharzfiguren, die im Buch abgedruckt sind. Die verliehen der von Carey geschaffenen Welt in Entralla durch die "sinister anmutenden Schwarzweißaufnahmen" genau das, was den Roman als Leitmotiv durchziehe: den "bleiernen Bann", der die Bewohner in diesem Ort gefangen hält. Schader vermutet, dass Entralla irgendwo "lose in ostmitteleuropäischem Boden verankert" ist und dort werden auch die Hauptfiguren, Alva und Irva geboren. Die Rezensentin beschreibt die beiden als Verkörperung "der entrallanischen Mixtur" aus "Verhocktheit und Fernweh" - so ist laut Schader Irva die schreckhafte, zurückgezogene Seite der beiden, während Alva sich ihrem Freiheitsdrang entsprechend schon mal eine Weltkarte auf den Körper tätowieren lässt. Und um diese Freiheitsliebe zu befriedigen, reiche ihre eben auch das mit aus Plastik geformten Eiffeltürmen, Davids und Mona Lisas ausgestattete Restaurant "Piccolo Mondo" nicht aus. Sehr "reizvoll" sei dieses "Spiel mit wechselnden Dimensionen" lautet das Resümee von Angela Schader. Und das nicht zuletzt wegen des angehängten Reiseführer für Entralla.
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