Was faszinierte die Deutschen so sehr an Johann Gottfried Seume, daß er mit Teilen seines Werkes einer ihrer Lieblingsschriftsteller geblieben ist. Sein hartes Schicksal, seine aufrechte Gesinnung, sein freiheitsliebender Geist? Gewiss, aber Seume war weit mehr als der treue und charaktervolle Deutsche und der (nach Goethe) "berühmte Wanderer" nach Syrakus, als der er uns im Gedächtnis geblieben ist. Er war ein eminent politischer Schriftsteller, der als Vertreter der Spätaufklärung die feudalen Privilegien heftig angriff und im Sinne der französischen Revolution die Verwirklichung der verkündeten Menschenrechte anstrebte. Gerechtigkeit betrachtete er als die wichtigste Tugend einer Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2006
Thomas Meissner würdigt die Biografie, die Eberhard Zänker von Johann Gottfried Seume vorgelegt hat, als durchaus solide, findet aber, dass dem spätaufklärerischen Schriftsteller ein bisschen mehr Brillanz durchaus zu gönnen gewesen wäre. Der Autor geht beim Abschreiten von Leben und Werk streng chronologisch vor und handelt alle wichtigen Stationen dieses durchaus bewegten Lebens ab, ohne dabei zu besonders bemerkenswerten Feststellungen zu kommen, merkt der Rezensent kritisch an. Etwas schwach findet er, dass Zänker weder die merkwürdige Beziehung, die Seume zu allem Militärischen hatte, noch sein ambivalentes Frauenbild näher unter die Lupe nimmt. Immerhin sei diese Lebensbeschreibung ein Anfang, den heute fast unbekannten Schriftsteller etwas besser kennen zu lernen, resümiert Meissner zurückhaltend.
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