Dylan Thomas

Die Liebesbriefe

Cover: Die Liebesbriefe
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446205376
Gebunden, 109 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Deutsch von Margit Peterfy. Dylan Thomas (1914-1953), der ewig Verliebte, hat sein Leben lang die schönsten Liebesbriefe verfasst. Aus Wales, London und New York schrieb er voller Sehnsucht, schmeichelnd, hemmungslos, witzig und gerissen an einen Reigen wunderbarer Frauen: von der Autorin Pamela Hansford Johnson über seine hinreißende Ehefrau Caitlin bis zu seiner letzten Geliebten Elizabeth Reitell.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2005

Klar geschieden und eindeutig zuzordnen sind für den Rezensenten Werner von Koppenfels die Spreu und der Weizen dieser Liebesbriefe. Den Weizen verdanke der Leser Dylan Thomas, der als Briefeschreiber alle sprachlichen Register ziehe, und dessen Korrespondenz anfangs sehr beschwingt, später zunehmend klagender, die Stationen seines bewegten Alltags- und Liebeslebens nachzeichnet. Besonders gefallen hat dem Rezensenten dabei, wie Thomas glaubhaft den "Troubadour und Schnorrer" in Personalunion verkörpert und rhetorisch verquickt. Vom außerdordentlichen sprachlichen Reichtum der Briefe habe sich jedoch kaum etwas ins Deutsche herüberretten können, bemerkt der Rezensent bitter und zeigt wendet sich damit der Spreu zu. So "lieblos", "unbedarft" und teilweise falsch werde hier übersetzt, dass der Rezensent die Englischkenntnisse der Übersetzerin in Frage stellt. Dabei komme es schon mal zu amüsanten Stilblüten, die jedoch keineswegs über die erheblichen Mängel hinwegtrösten könnten. Schließlich erscheine die "schmale" Auswahl der Briefe durch den bezeichnenderweise anonymen Herausgeber recht willkürlich.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.03.2005

Nicht wirklich überzeugend findet Heribert Hoven diese Auswahl von Liebesbriefen des walisischen Dichters Dylan Thomas. Der Titel "Die Liebesbriefe" ist seines Erachtens "etwas irreführend", weil einerseits zahlreiche Liebesbriefe von Thomas unterschlagen werden, andererseits auch einige Briefe versammelt sind, in denen es gar nicht um Liebe geht, zum Beispiel der an Edith Sitwell, die er nur um Geld bitte. Zu Hovens Bedauern fehlen zudem die Gegenbriefe der Frauen. Die kurzen Einführungen bieten seiner Ansicht nach nur spärliche biografische Auskünfte. Insgesamt ergebe sich so ein "sehr lückenhaftes und einseitiges Bild", das lediglich Schlaglichter auf die Liebesbeziehungen des Dichters werfe und den Leser mit dem Text allein lasse.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004

Wer aufhört, Dichter für "Genies" zu halten, sondern sie in Anlehnung an die Antike als die "vom Gott Apoll Geschlagenen" sieht, der findet in der Dylan Thomas' Liebesbriefsammlung "schöne, erschütternde" Beispiele, erklärt Rezensent Rolf Michaelis. Texte voller "wortreicher Zerknirschtheit", Zeilen der Beschwörung, der "Bannung eigener Ängste" oder auch so manche "weinerliche" Beichte hat dieses "hoch gefährdete" und hochbegabte "Kind" geschrieben. Beichten vor allem deshalb, weil es bei weitem nicht nur eine Geliebte gab, der die Zeilen der Verehrung gewidmet waren. Für den Rezensenten ist Dylan einer der "großen" Dichter des 20. Jahrhunderts und zugleich ein "Schmerzensmann", der seine Verletzlichkeit hinter "Masken" verbirgt. So sehr Michaelis den Dichter lobt, so sehr kritisiert er den Verlag. Niemals seien Liebesbriefe "liebloser" herausgegeben worden, empört sich der Rezensent, und das von einem Haus, das für Lyriker "noch ein Ohr" habe. Ein Register suche man ebenso vergeblich wie ein Namensverzeichnis oder Erklärungen, den Kurzbiografien der bedichteten Frauen fehle es an Lebensdaten. Und mit Grammatikfehlern und Doppelungen könne man die Übersetzung von Margrit Peterfy bestenfalls als "beschwerlich" bezeichnen. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2004

Am Ende fand Kristina Maidt-Zinke das Bändchen mit den Liebesbriefen des Dylan Thomas doch ganz "lesenswert", zumindest, wenn man sich das Buch als Ergänzung zu der vierbändigen Hanser-Werkausgabe denkt. Dabei hatte sie einiges daran auszusetzen: Die Übersetzung leistet sich "mehr als einen Fauxpas", die für das Textverständnis so wichtige Fußnoten fehlen, kurioserweise wird der Herausgeber Peter Lynch nicht namentlich erwähnt. Ja, die Ausgabe sei "womöglich etwas fahrig" besorgt. Und wenn die Kritikerin bemerkt, der mit einiger Liebeskorrespondenz bedachten Ehefrau muss das litaneiartige "Ich liebe dich" des Dichters auf die Nerven gegangen sein, liegt der Verdacht nahe, dass sich nicht nur die Gattin etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte. Interessanter als die Liebesschwüre findet sie es, wenn Dylan Thomas von seinen Lesereisen berichtet oder mit "skurrilem Witz und scharfen Kommentaren" den Literaturbetrieb seiner Zeit begleitet. Aber ob die Briefe wirklich zu seinen schönsten gehören, will die Kritikerin nicht beurteilen - warum eigentlich nicht?
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.11.2004

Kein gutes Haar lässt Friedhelm Rathjen an dieser Sammlung von Liebesbriefen des Dichters Dylan Thomas. Alles fängt schon damit an, dass die Edition auf keiner Seite ihren Herausgeber verrät und dieser auch noch Probleme mit der Grammatik zu haben scheint, wie der Kritiker an einem Beispiel aus der Einleitung demonstriert. Außerdem gereichen nicht alle Briefe dem Titel zur Ehre, moniert Rathjen, da nur ein Teil tatsächlich das Prädikat "Liebesbrief" für sich in Anspruch nehmen kann. Schmeichelbriefe an gut betuchte Gönnerinnen und ein Brief an ein Paar will er jedenfalls nicht in einer Liebesbriefsammlung sehen. Von minderer Qualität scheint auch die Übersetzung zu sein, aber immerhin trägt sie dazu bei, dass "viele Briefe von Liebe nur so triefen". Aus jedem "dear" wird ein "liebe", jedes "Darling" wird zum "Liebling" und konsequenterweise stehen im Deutschen dann so poetische Sätze wie "Liebling, ich liebe dich". Neben schnell langweilenden Liebesschwüren auf "Kellerniveau" finden sich laut Rathjen unverständliche, weil unkommentierte Stellen. "So bleiben die Informationen fragmentarisch, die erwähnten Namen Schall und Rauch." Der Rezensent wäre glücklicher gewesen, wenn das Briefgeheimnis wenigstens bei einem Teil der Korrespondenz gewahrt worden wäre.
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