Doris Lessing

Die Geschichte von General Dann und Maras Tochter, von Griot und dem Schneehund

Roman
Cover: Die Geschichte von General Dann und Maras Tochter, von Griot und dem Schneehund
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2006
ISBN 9783455043853
Gebunden, 287 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Christ. In "Mara und Dann" zeichnete Lessing eine Welt, deren südlicher Teil unter einer unerträglichen Hitze leidet. Im dürregeplagten Ifrik erlebten Mara und ihr kleiner Bruder Dann eine abenteuerliche Odyssee durch unfruchtbare Landschaften und verwüstete Städte. In diesem Roman sind die Geschwister erwachsen geworden und gehen nun getrennte Wege. Als General hat Dann in der von Gewalt und Bürgerkriegen beherrschten Welt Berühmtheit erlangt, wird jedoch von einer tiefen inneren Zerrissenheit geplagt. Allein reist er Richtung Norden und muss mit ansehen, wie die Gletscher schmelzen und das Land langsam versinkt. Wird es ihm gelingen, die Kultur und das Wissen seiner Vorfahren zu retten?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2006

In den Augen der Rezensentin Bernadette Conrad ist es enttäuschend, was die große Schriftstellerin Doris Lessing hier fabriziert hat. Der große Wurf, den sie offensichtlich angestrebt hat, ist ihr nach Conrads Meinung auf keinen Fall gelungen. Das liege wohl daran, dass die Geschichte mit Bedeutung und Sendungsbewusstsein überfrachtet ist, unter der sowohl die "literarische Qualität" als auch die "Lesbarkeit" leiden. Der Roman präsentiert sich als ein "hermetischer Kosmos", dem die Rezensentin einen intelligenten Bauplan, aber auch ein Bedürfnis nach "frischer Luft" bescheinigt. Darüber hinaus stört Conrad die "holzschnittartige" Zeichnung der Figuren. Gegen Ende ihrer Besprechung wird die Rezensentin aber doch noch ein bisschen versöhnlich. Der zweite Teil des Romans sei dank seiner Betonung des Dialogs und der damit verbundenen Dynamik ein wenig lesbarer. Und noch mehr In den "überanstrengten Strukturen dieser pädagogischen Geschichte" blinken hie und da sogar regelrechte "kleine Perlen, scharf erzählte Situationen", lobt Conrad. Dennoch stelle sich die grundsätzliche Frage, ob eine thematisch und politisch so überfrachtete Parabel überhaupt funktionieren kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2006

So ganz will Alexandra Kedves ihre Enttäuschung über den neuen Roman von Doris Lessing nicht verbergen. Die Frau war schließlich mal nobelpreisverdächtig. Die Fallhöhe ist also beträchtlich. Nicht für eingefleischte Lessing-Fans, doch für Kedves, die Lessings "gute, alte Geschichtenprosa" gegen dieses "bittersüße Märchen", das zu ordentlicher Science-Fiction nicht taugen will, nur ungern eintauschen möchte. Strapazierung der Tränendrüse, erhobener Zeigefinger und wenig ausdifferenziertes Personal, meldet Kedves - dass sie der Story dennoch gefolgt ist, scheint die Rezensentin selbst nicht für möglich zu halten. Da kann es so schlimm nicht gewesen sein, da war es, schreibt sie staunend, immerhin "anständige Unterhaltung".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.06.2006

Rezensent Sebastian Domsch ist enttäuscht von Doris Lessings Roman, den er unter den ständigen Bezügen auf Lessings Vorgängerbuch verschwinden sieht. Denn Lessing versucht aus seiner Sicht ihren ökologischen Science-Fiction Roman "Mara und Dann" fortzuschreiben, dessen eindringlichen Szenarien Domsch damals durchaus gefallen haben. Doch sei die Autorin so sehr damit beschäftigt, sich ihrer damaligen Lorbeeren zu vergewissern, dass sie vergesse, etwas wirklich Neues zu schaffen. Insgesamt vermisst der Rezensent in diesem ernsten Roman über die katastrophalen Folgen des Klimawandels außerdem jenen Stoff, "aus dem Apokalypsen gestrickt werden", also im Grunde die Essenz des Genres. Nur am Anfang gelingt Doris Lessing aus seiner Sicht ein Bild, das sich ihm einbrennt und die Machtlosigkeit des Menschen gegenüber den Naturgewalten demonstriert. Ansonsten ist für ihn die Klimakatastrophe "wie ein Sanatoriumsaufenthalt" beschrieben.
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