Donata Elschenbroich

Weltwissen der Siebenjährigen

Wie Kinder die Welt entdecken können
Cover: Weltwissen der Siebenjährigen
Antje Kunstmann Verlag, München 2001
ISBN 9783888972652
Gebunden, 200 Seiten, 16,77 EUR

Klappentext

Was sollte ein Kind in seinen ersten sieben Lebensjahren erfahren haben, können, wissen? Womit sollte es zumindest in Berührung gekommen sein? Donata Elschenbroich hat über Jahre in einer großangelegten Studie Menschen aller Schichten, jeden Alters und verschiedenster Bildungshintergründe befragt. Ausgangs- und Zielpunkt der vielstimmigen Recherche: eine Wunschliste für "Weltwissen", die lebenspraktische, soziale, motorische Fähigkeiten und Erfahrungen ebenso umgreift wie kognitive und ästhetische Angebote. Nicht um einen Lernzielkatalog, eine Checkliste abzuprüfender Fähigkeiten geht es hier, wohl aber um ein Panorama von Bildungserlebnissen, die wir Erwachsenen - Eltern, Erzieher, Nachbarn, Politiker - Kindern in den frühen Jahren schulden. Donata Elschenbroich bietet eine Fülle von Anregungen, wie sich Weltwissen im Alltag für und mit unseren Kindern entwickeln lässt - ein Spiel mit offenem Ende, dessen Gewinner wir alle sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2001

Von der Pädagogik der frühen Jahre, vom kindlichen Wissensdurst, von vergessenen Fähigkeiten, vom Unwissen der Erwachsenen, von der Unfähigkeit der Schule und dergleichen handelt die vorliegende Neuerscheinung: ein Plädoyer fürs kindgerechte Lernen, das nach Meinung der Rezensentin Monika Osberghaus ohne Besserwisserei, wenn auch mit einer fast zu großen Materialfülle daherkommt. Vorbild für die Autorin sei der Wissenskanon eines Johann Amos Comenius, der im 17. Jahrhundert den "Orbis Pictus Sensualis" schrieb, ein universales Weltsachbuch des kindlichen bzw. kindgerechten Wissens. Die Autorin beobachte Kinder vor und nach ihrem Schuleintritt, befrage Erwachsene nach ihren Kindheitserinnerungen und lasse auch Fachleute des Lernens, so den Erfinder Arthur Fischer und die Leiterin der Fuldaer Kinder-Akademie, Gabriele König, zu Worte kommen. Das kindliche Lernprinzip: Lernen durch Begreifen und Erfahren, habe sich die Autorin in ihrem Buch selbst zu eigen gemacht. Fazit: Von Kindern lernen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.03.2001

Susanne Mayer würde dieses Buch am liebsten in jedem dieser Entbindungsstation-Tütchen mit "Penaten-Pröbchen" etc. sehen, die Eltern nach der Geburt eines Kindes überreicht werden - auch wenn sie einräumt, dass der Band auch Skandal-Potenzial in sich birgt. Denn dieses Buch beschreibt, so Mayer, einen Kanon. Einen Kanon für Siebenjährige? Zunächst zeigt sich Mayer erstaunt darüber, was kleine Kinder nach Elschenbroichs Ansicht alles schon einmal getan haben sollten: Etwa ein Lied in einer fremden Sprache kennen, etwas repariert haben, vier Vogelstimmen unterscheiden können oder ein Selbstporträt gemalt haben. Doch Mayer ist erleichtert, dass es der Autorin nicht um das schematische Erfüllen dieses Kanons geht, sondern um mehr: Um das Fördern der ohnehin überschäumenden kindlichen Entdeckerfreude, die nicht durch tristes Vorsichhinspielen in "Ermattung, Enttäuschung, Resignation" kippen darf. Aufschlussreich findet Mayer dabei auch den Vergleich mit anderen Länder, etwa Japan, Italien oder Ungarn, wo kleine Kinder sehr viel mehr musikalische oder künstlerische Angebote auf sehr hohem - und dabei kreativem -Niveau nutzen können. Darüber hinaus kommen, wie Mayer lobend anmerkt, in diesem Band verschiedene Personen zu Wort, die familiär oder beruflich mit Kleinkindern zu tun haben und ihre Ansichten zum Bildungshunger der Kleinen und seiner Erfüllung beitragen. Insgesamt geht es nach Mayer jedoch in diesem Buch nicht um belehrende Ratschläge, sondern - wie sie lobend anmerkt - um ein "Fragen, vortasten, (...) den Horizont umkreisen".

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