Donald Antrim

Die hundert Brüder

Roman
Cover: Die hundert Brüder
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016
ISBN 9783499270772
Taschenbuch, 224 Seiten, 12,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Gottfried Röckelein. 99 Brüder zwischen 20 und 90 (der hundertste kann nicht) haben sich in der Bibliothek ihres verstorbenen Vaters versammelt, um bei einer leichten Mahlzeit die Vergangenheit zu begraben und des Weiteren zu erörtern, wo denn wohl die verschollene Urne ihres Erzeugers abgeblieben sein könnte. Unweigerlich werden alte Streitereien und Rivalitäten wiederbelebt, es kommt zu Unfällen, Gewalt bricht sich Bahn, kein Wunder bei so vielen Männern. Der Plot ist ziemlich zweitrangig in diesem so ungewöhnlichen wie komischen Roman. Aber natürlich spricht Antrim in seinem exzentrischen Buch über sehr vieles, was für reale Familien genauso gilt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.12.2016

Oliver Jungen stellt sich vor, Kafka, Houellebecq, Borges und Beckett hätten sich den Plot zu Donald Antrims Roman ausgedacht - als Miniserie. Das zwanzig Jahre nach dem Original laut Jungen in trefflicher Übersetzung erscheinende stilistisch meisterliche Buch nennt er einen Totentanz mit der Geistesgeschichte. Ort ist eine piranesihafte Bibliothek, in der sich hundert Brüder zum letzten Geleit des Vaters treffen, der sich aber gewissermaßen stets entzieht. Für Jungen eine rauschhafte Feier des Verfalls, die zwar nach Existentialismus schmeckt, jedoch mit handfesten narrativen Elementen aufwartet, Raufereien, Porno etc. Eine Erzählfreude, der sich Jungen gerne hingibt, dabei das surreale Setting fast vergessend, das ihn am Ende als Exzess eines Wahnsinnigen wieder einholt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.05.2016

Am besten könnte man die Romane Donald Antrims vielleicht als "hysterische Fantastik" beschreiben, findet Wieland Freund. Mit Rationalität und Realitätssinn ist ihnen jedenfalls schwerlich beizukommen, meint der Rezensent. In "Die hundert Brüder" zum Beispiel befinden sich neunundneunzig von ihnen in einer vermodernden Bibliothek, und während einer von ihnen durch die Regalreihen taumelt und wirr die Geistesgeschichte rekapituliert, raufen, saufen und spielen die anderen Krieg, wieder und wieder, feiern "Festspiele der Demütigung", deren Opfer meist der Eine ist, der sich auf einer eigenen Queste befindet, fasst Freund zusammen. Am Ende löst sich der Suchende dann einfach auf, verrät der Rezensent. Das klingt alles ein wenig verrückt, weiß Freund, aber es ist großartige und große Literatur, die auf ihre eigene Weise "die ganz großen Erzählungen" verarbeitet, erklärt der Rezensent.