Aus dem Englischen von Michael Kellner. Mary Ann Singleton, die einst Mann und Kind wegen einer Fernsehkarriere verließ, ist nach San Francisco zurückgekehrt, leider aus unerfreulichem Anlass: Sie hat Gebärmutterkrebs. Sich zu Hause in Darien, wo jeder jeden kennt, einer Behandlung zu unterziehen, will sie um jeden Preis vermeiden. Sie zieht in das kleine Gartenhäuschen, das Michael und Ben gerade auf ihrem Grundstück gebaut haben, und über die alten Freundinnen DeDe und D'or findet sie eine vertrauenswürdige Ärztin für die anstehende Totaloperation. Doch dann fliegt ihr ihre buntschillernde Vergangenheit um die Ohren… Viele Freunde und Vertraute aus dem großen Kreis der Stadtgeschichten tauchen in Mary Ann im Herbst wieder auf, gealtert zwar, doch bereit, das Leben weiter in all seinen Facetten zu genießen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.07.2012
Marius Nobach freut sich riesig über die Fortsetzung von Armistead Maupins Stadtgeschichten. Mit "Mary Ann im Herbst" habe der Autor nahtlos an seine "alte Meisterschaft" angeschlossen. Nachdem er sich im siebten Teil auf die Perspektive eines Charakters beschränkt hatte, kehre er in diesem achten Band zu seiner multi-perspektivischen Erzählweise zurück. Gut so, findet der Rezensent. Die Stadtgeschichten kreisen um die Schwulenszene San Franciscos. In diesem Buch kehrt Mary Ann 2008 nach langer Abwesenheit zurück und muss sich wieder neu in der Stadt zurechtfinden, berichtet Nobach. Maupin schildere durch die Handlung die Schwierigkeiten, mit denen Homosexuelle in der Stadt konfrontiert seien, begleite aber auch glaubhaft seine Charaktere bei den Entwicklungen, die sie im Alter durchgemacht haben. Die moralisierenden Töne, die der Autor häufig anschlage, verzeiht Nobach ihm gerne, genauso wie seine Anleihen beim Trivialroman - da tauche auch mal eine totgeglaubte Person dramatisch wieder auf. Eine durch und durch gelungene Fortsetzung, findet der Rezensent.
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