Mit 500 farbigen Abbildungen. Mit Entwürfen von Kasimir Malewitsch und Ljubow Popowa bis zu Andrej Bartenev und Pavel Pepperstein. Mit Mustern von Warwara Stepanowa und Timur Novikov bis zu Artem Loskutov und Damir Muratov. Mit Zuschnitten von Ilya Zdanevič und Werra Muchina bis zu Tanja Akchmetgalieva und Sasha Frolova. Sowie mit Beiträgen und Analysen von Ossip Brik, Michail Larionov, Régis Gayraud u.v.a.. "Die zukunftsorientierten Künstler sind bereits auf dem Weg - vom Gemälde zum Stoff; und sie kehren nicht zurück. Das reicht aber nicht. Die ganze Masse der Künstler-Jugend muss begreifen, dass dieser Weg der einzig richtige ist." Indem der Kulturkritiker und Futurist Ossip Brik im Jahr 1924 die Richtung der Avantgarde so angibt, proklamiert damit auch eine Nähe zwischen Mode und Kunst, die bis dahin verpönt war. Wie dieser Weg von der russischen Revolution bis in das postsowjetische Russland aussah und zu welchen Kreationen er führte, dokumentiert dieser Band.
Marina Razumovskaya jubelt über diesen Band, der russische Avantgardekunst und sowjetische Revolutionsmode verbindet und schließlich auch mit der Pariser Modewelt kurzschließt. Razumovskaya verfolgt atemlos, wie der Konstruktivismus die Symbole vorgab oder wie bäuerliche Folklore den Grand Prix bei der Weltausstellung in Paris gewann. Aber sie erfährt auch, dass sich wahrhaft revolutionäre Mode vor allem dafür interessiert, was die Menschen in ihren Kleidern tun. Toll findet sie eine Fotostrecke, in der die westliche Ikonenproduktion einer sowjetischen Ikonenlosigkeit gegenübergestellt wird. Und wenn der Schriftsteller Pavel Pepperstein am Ende analysiert, dass sich auf den Laufstegen nur noch das System Mode zur Schau stellt, die Trägerin aber keine Rolle mehr spielt, dann findet Razumovskaya dies subtiler als alles, "was Baudrillard je geschrieben hat".
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.04.2020
Mit großer Begeisterung stellt Rezensent Carsten Probst diesen Band vor, der das Zusammenspiel von Mode und Revolution erkundet. Eigentlich geht es weniger um Mode, stellt Probst klar, als um ein neues ästhetisches Programm, das Revolutionen mit sich bringen. Der Rezensent erfährt in dem zweisprachigen Band, der Beiträge aus den Zwanzigern von Varvara Stepanova, Ossip Brik, Malewitsch oder Pavel Pepperstein versammelt, wie Revolutionsästhetik die Avantgarde dem Alltag einschreiben wollte: Nicht die Verzierungen dürfen dem Anzug die Form geben, sondern allein der Schnitt, dekretierte etwa die Gestalterin Stepanova, während der Futurist Brik ganz auf industrielle Fertigung setzte: "Künstlerisches Handwerk? Nichts als Ideologie", paraphrasiert Probst. Einfach toll findet der Rezensent den Band, nicht zuletzt auch weil er so schön gestaltet und reich bebildert ist.
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