Dirk Koch

Der ambulante Schlachthof

oder Wie man Politiker wieder das fürchten lehrt. Die letzen Geheimnisse der Bundesrepublik
Cover: Der ambulante Schlachthof
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783864891243
Gebunden, 192 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Schmidt, Brandt, Augstein, Prinz Charles, Lambsdorff, Strauß, Barzel und Co. Spiegel-Journalist Dirk Koch, der die Flick-Affäre aufdeckte, plaudert aus dem Nähkästchen und liest seinen heutigen Kollegen die Leviten. Die Gegenseite wird frech. Die Gegenseite, die Staatsmacht, hät ihre lästigen Kontrolleure, die Journalisten, für ge­schwächt. Sie meint, sie könne es sich inzwischen heraus­ nehmen, unter Vorwänden die Presseleute und erst recht ihre Informanten in Regierungen, Behörden und Parlamen­ten mit Gefängnisstrafen einzuschüchtern. Das hat es seit der Spiegel-­Affäre 1962 wegen angeblichen Landesverrats so nicht mehr gegeben. Es stimmt, der Stand des Journalisten ist geschwächt: Redak­tionen werden verkleinert, Zeitungstitel zusammengelegt, Auflagen und Zuschauerzahlen sinken wegen des veränderten Medienkonsums insbesondere jüngerer Leute. Aber tragen nicht Journalisten Mitschuld am Niedergang des Gewerbes?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2016

Wie ein guter Journalist schreibt, lernt Peter Voss beim einstigen "Spiegel"-Enthüller Dirk Koch. Einmal, weil der es ihm anhand von eigenen journalistischen Großtaten erläutert, dann, weil Koch in diesem Buch zeigt, wie es geht: nüchtern, eindringlich, ohne Larmoyanz, Pathos, allzu große Bösartigkeit und Spekulation. So persönlich Kochs Geschichten aus der alten Bundesrepublik auch sind, so genau erzählt sind sie für Voss, auch wenn der Autor ihm mitunter etwas zu lahm den engagierten Journalismus propagiert und eigene Abneigungen (gegen Helmut Kohl etwa) nicht verhehlen kann. Starke Passagen überzeugen Voss von der Notwendigkeit des investigativen Journalismus und zeigen ihm, wie das geht. Dass man beim "Spiegel" in Sachen Korruption etwa Freund und Feind nicht immer voneinander scheiden konnte oder wollte, enthüllt ihm der Autor allerdings auch.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.02.2016

Michael Sontheimer kann Dirk Kochs Romantizismus schon verstehen. Dass die journalistische Arbeit früher viel besser war, als man noch mit CDU-Abgeordneten zechen konnte bis zum Umfallen und dabei auch noch an heiße Informationen kam, kann ihm der ehemalige Bonner Spiegel-Mann glaubhaft vermitteln. Enthüllungsjournalisten wie Koch fuhren Porsche und durften auch sonst robust vorgehen im Bonner Biotop, wie Sontheimer aus dem Buch erfährt. Dass Frauen nur als Tippse oder Gattin vorkamen, wird dem Rezensenten allerdings auch klar. Unterhaltsame Anekdoten und dazwischen Spiegel-Interna, so charakterisiert er das Buch. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Enthüllungsjournalismus sucht er bei Koch vergebens.