Dirk Baecker

4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt

Cover: 4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt
Merve Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783962730123
Kartoniert, 276 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Auf das Projekt der Moderne, die Inklusion der Gesamtbevölkerung in politische, rechtliche, wirtschaftliche, pädagogische und kulturelle Prozesse, folgt das Projekt der Digitalisierung, die Transformation analoger in diskret abzählbare, binär codierte, statistische auswertbare, maschinell berechenbare Prozesse. Die einen hoffen, dass das Projekt der Digitalisierung die Voraussetzungen dafür schafft, dass das Projekt der Moderne fortgeführt werden kann, indem es die Instrumente bereitstellt, die den Zugang aller zu allen Bereichen der Gesellschaft ermöglichen. Die anderen befürchten, dass es das Projekt der Moderne auf perverse Weise beendet, indem die Teilnahme aller an Gesellschaft nicht mehr eine Frage der individuellen Entscheidung, sondern der kollektiven Erfassung ist. Die in diesem Buch vorgelegten Überlegungen können diese Frage nicht entscheiden. Stattdessen stellen sie die Variable der Gesellschaft schärfer, als es in der Diskussion um Fragen der Digitalisierung gemeinhin geschieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.09.2018

Johann Schloemann ist weiß zwar nicht, ob unsere zerfaserten Gehirne noch genug Konzentration für Dirk Baeckers Theorie der Digitalisierung aufbringen können. Aber wer es schaffte, sollte das Buch unbedingt lesen. Schloemann verortet den Soziologen in der sicheren Mitte zwischen Apokalyptikern, Enthusiasten und Beschwichtigern, mit Ausreißern in die reine Abstraktion, aber dafür im schicken Merve Verlag. Schloemann lernt, dass wir in eine neue Epoche treten. Nach der Mündlichkeit der Stammeskulturen, der Schriftlichkeit des Altertums und dem Buchdruck der Neuzeit kommt die Epoche 4.0. "Noch nie war mehr Mittelbarkeit im scheinbar Unmittelbaren", zitiert Schloemann beeindruckt den Soziologen, der auch einen "Zerfallszwang zur fortlaufenden Aktualisierung" diagnostiziert. Wenn Baecker allerdings zum Faszinosum des unergründlichen Facebook-Algorithmus oder zum Schwinden von Geduld und Ausdauer kommt, fragt der Rezensent diplomatisch, ob hier Systemtheorie in womöglich "spekulative Sozialpsychologie" umschlägt.

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