Die Philosophen des deutschen Idealismus Kant, Fichte, Schelling und Hegel haben jeweils Auffassungen entwickelt, die als Vorstufen einer Theorie des Beobachters gelten können. Sie gipfeln vor allem bei Fichte in der Vorstellung eines leeren Ichs, das sich genau deswegen auf eine Welt verwiesen sieht. In dieser Welt kommen die theoretische Erkenntnis und das praktische Handeln nie zur Deckung, so dass auch die Beobachtung und der Beobachter nur als Differenz, als Komplexität zu formulieren sind. Für die Kulturtheorie ist das ein Glücksfall, denn sie lebt davon, den Beobachter nicht nur zu anderen Beobachtern, sondern auch zu dem, was er beobachtet, ins Verhältnis zu setzen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.08.2013
Ralf Konersmann bedenkt Dirk Baecker soziologische Kulturtheorie mit großem Lob. Er attestiert dem Soziologen und Schüler Luhmanns, eine Kulturtheorie entworfen zu haben, die sich auf "der Höhe der Zeit" bewegt und eine systemtheoretische Rehabilitierung des Kulturbegriffs leistet. Die Bedenken Luhmanns gegen die Kulturtheorie findet Konersmann hier produktiv umgewertet, versteht Baecker das Diffuse des Kulturbegriffs doch zugleich als Stärke und Schwäche. Die Ausführungen des Autors über die Kultur als Zeichen- und Themenvorrat der Gesellschaft, durch den provisorische Kontingenzerfahrungsbewältigung möglich wird, schätzt Konersmann als überaus präzise, klug und erhellend. Sein Fazit: ein Werk von "Unerschrockenheit und Eleganz", das sich mit den großen Debatten um den Kulturbegriff und die Kulturtheorie der letzten Jahrzehnte souverän auseinandersetzt.
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