Klappentext

Die Philosophie ist nicht nur eine unter vielen wissenschaftlichen Disziplinen, sondern darüber hinaus, wie die Literatur und die Kunst, entscheidend für das, was die Kultur eines Landes ausmacht. Diese eigentümliche Zwitterstellung der Philosophie ist darin begründet, dass es ihre ureigenste Aufgabe ist, an den Grenzen der Möglichkeit wissenschaftlicher Erkenntnis den Gründen für die Lebensführung des Menschen nachzugehen. Es geht der Philosophie daher immer auch um zentrale Fragen der menschlichen Kultur. Diese notwendig offene Position versieht die Philosophie mit einer besonderen Sensibilität für Veränderungen und Krisen in der Kultur eines Landes. Die Philosophie ist ein analytischer Seismograph.
Dieter Henrichs Aufsätze sind Versuche historischer wie systematischer Positionsbestimmungen der Philosophie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2006

Einen angeregten Leser hat dieser Sammelband mit Aufsätzen des emeritierten Münchner Philosophen aus den letzten zehn Jahren in Rezensent Christian Schlüter gefunden. Viele der Beiträge sind für den Rezensenten besonders als Versuch beispielgebend, der durch zwölf Jahre Nationalsozialismus zerstörten Beziehung der Deutschen zur Tradition neue und aktuelle Impulse zu geben. Hier erwähnt Schlüter besonders einen Aufsatz, der den Schatten des Faschismus auf der deutschen Philosophie thematisiert. Aber auch Dieter Henrichs "Erkundungen" der menschlichen Subjektivität können den Rezensenten überzeugen. Texte, die sich mit "zeitdiagnostischen und politischen Themen" auseinander setzen, hat der Rezensent ebenfalls mit Gewinn gelesen und stellt sich bei Henrichs Überlegungen zu den Defiziten der Bildung in Deutschland umstandslos hinter diesen Autor, und blickt mit ihm sehnsüchtig nach Frankreich und in die USA.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2006

Jürgen Kaube gewinnt den Aufsätzen Dieter Henrichs, die in "Die Philosophie im Prozess der Kultur" enthalten sind, große Aufschlüsse über die deutsche Universität und ihre Veränderung in den letzten Jahrzehnten ab. Als profunder Kenner des deutschen Idealismus sei der Philosoph Henrich in besonderer Weise geeignet, die Rolle und Lage der Universität zu überdenken, meint der Rezensent, entstamme deren Konzept in Deutschland doch aus eben diesem geisteshistorischen Zusammenhang. Er zeigt sich gleichermaßen beeindruckt von der Parallele, die Henrich zwischen der Philosophie und der Universität zieht, die in ähnlicher Weise zwischen den Anforderungen von Wissenschaft und Pädagogik stehe, wie auch vom Aufsatz über die eigene Denkergeneration (Blumenberg, Habermas, Luhmann etc.), denen, wie der Rezensent überzeugt ist, die 68er Generation nicht das Wasser reichen kann. Auch Henrichs Feststellung, dass die Kultur in Deutschland an Gewicht verliere, kann Kaube sich umstandslos anschließen. Trotz eines insgesamt resignativen Tones, empfiehlt er die Aufsätze nachdrücklich "als Belege dessen, was wirklich, also möglich war und was möglich wäre".
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de