Herausgegeben von Gerd Jüttemann, Michael Sonntag und Christoph Wulf. Mit 81 Abbildungen. In Anbetracht der heutigen Unmittelbarkeit des Psychischen, seiner vermeintlich direkten Zugänglichkeit oder seiner Rolle als wissenschaftliches Objekt ist es das Anliegen der Herausgeber, die umfassenden Dimensionen der Metapher "Seele" von der Antike bis heute nachzuzeichnen und damit nutzbar zu machen. Die vorherrschende naturwissenschaftliche Psychologie, die sich vor fast 140 Jahren explizit als "Psychologie ohne Seele" etabliert hat, bezeichnet eine zentrale Lücke im Thema, von dem die Disziplin ihren Namen erhalten hat. Heute gehört die Frage nach der Seele zu mehreren Wissensgebieten. 28 prominente Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Disziplinen eröffnen ungewöhnliche Perspektiven auf unsere Vorstellungen von der Seele und unser Leben mit ihr.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2005
"Aus ganzer Seele" begrüßt Rezensent Kurt Flasch das Vorhaben, die Geschichte der Seele zu erforschen. Über vorliegenden Band mit 28 Beiträgen über die Geschichte der Seele im Abendland kommt er allerdings zu einem sehr gemischten Urteil. Insgesamt erscheinen ihm die kunsthistorischen Beiträge besser als die philosophischen. Hier hat er einiges zu kritisieren: Der Beitrag über Platons Seelenlehre halte sich an Nebenmotive und sekundäre Bilder, Aristoteles werde in "abgründig dilettantischer Form" zitiert, schimpft Flasch, der Beitrag über Augustinus wiederhole nur Altbekanntes und zitiere veraltete Ausgaben. Überdies beklagt Flasch, dass wichtige Autoren und Schulen nicht zu Wort kommen. So fehlt ihm etwa ein Abschnitt über Cicero und Seneca ebenso wie einer über die Stoa. Die Seele in der antiken Literatur, bei Dante, Petrarca und Boccaccio, werde nicht erwähnt. Aber Flasch hat auch lobende Worte parat. So findet er Clemens Zitzens Beitrag über die Seele im Neuplatonismus "informativ", Bernd Buschs kunstgeschichtlichen Beitrag über Innenansichten des Porträts bescheinigt er "besondere Qualität" und bei Christian Schneiders Beitrag zur wissenschaftsgeschichtlichen Einordnung der Psychoanalyse zwischen Philosophie und Wissenschaft lassen sich eine Reihe von Entdeckungen machen. "Insgesamt", resümiert der Rezensent, "also ein locker komponiertes, vielseitiges Buch."
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