Dezsö Kosztolanyi

Die Abenteuer des Kornel Esti

Cover: Die Abenteuer des Kornel Esti
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783871345395
Gebunden, 187 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. Kornel Esti, schillernder Kaffeehausliterat, ist überall zuhause, in der Provinz wie in Metropolen. So vielfältig wie die Orte und Menschen, die er aufsucht, sind die Abenteuer, die er so frech wie bravourös besteht. Paris gilt Estis besondere Liebe - die nicht alle seine Landsleute teilen. So zwingt ihn sein Gefährte Bandi in der Hochburg verfeinerter Lebensart zu schlichter magyarischer Gastlichkeit. Ein anderer, ehemals Zigarrenspitzenfabrikant, bringt Esti in die Bredouille, als er nach seinem Bankrott spurlos untertaucht und eine Schar von Angehörigen und Gläubigern zurücklässt. Selbst auf dem Land ist dem gefragtesten Mann Budapests keine Ruhe vergönnt - ein harmloser Apothekenbesuch mündet in schierem Wahnsinn.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2006

Rezensentin Judith Leister vergleicht die Novellen lobend mit den grotesken Erzählungen Gogols, die gleichermaßen zwischen Tragik und Komik pendelten. "Romantisch" sei auch die Erzählhaltung, wenn der Protagonist Kornel Esti, ein fiktives schreibendes Pendant des Autors, als erzählende Figur auftaucht. Die Rezensentin zeigt sich begeistert von Deszö Kosztolanyis Geschichten voller "Tempo" und Esprit. Man verstehe sofort, warum der Autor in den zwanziger Jahren in ganz Europa berühmt war. Allerdings seien einige der Abenteuer an der Grenze zum "Schnurrenhaften", gewissermaßen ein Tribut an einen erstaunlichen Einfallsreichtum. Besonders gefallen hat der Rezensentin eine "glänzende" Novelle über ein Manuskript, das der Dichter Kornel Esti von einer so vornehmen wie unbegabten Dame zur Begutachtung zugesandt bekommt. Ohne es zu gelesen zu haben, liefere der Poet eine "hochkomische", für die Dame hingegen durchaus befriedigende Stellungnahme.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.10.2006

Rezensent Jörg Plath ist ein bisschen gelangweilt von diesem Erzählband von Dezsö Kosztolanyi. Der ungarischen Literatur hat der 1936 verstorbene Autor jedenfalls damit keine wirklich neue Facette hinzugefügt, wie es ihm bereits Anfang des Jahrhunderts mit Gedichten gelungen war. Zwar sind die hanebüchenen Abenteuer von Kosztolanyis Helden durchaus unterhaltsam, aber auch oft eben auch etwas kindisch. In ihrer Häufung wirken die Strategien, mit denen er seinen Protagonisten Kornel Esti Erwartungen unterlaufen lässt, zudem zu mechanisch: " Esti äußert sich nun störend oft und deutlich über die Logik seiner Erlebnisse, über das Prinzip des Prinzipienlosen."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.04.2006

Dem 1885 geborenen Dezsö Kosztolanyi ist die Figur des Kornel Esti in seinem berühmten Roman "Ein Held unserer Zeit" offensichtlich derart "vital" geraten, dass er ihn auch in den vorliegenden Erzählungen noch seine Abenteuer erleben lässt, stellt Tobias Heyl fest. Es handelt sich bei Esti um einen jungen erfolglosen Schriftsteller, der in allen Lebenslagen die Fassung behält und dessen wahres Talent im "Krisenmanagement" liegt, meint der Rezensent. So könne Esti sich aus einem seine Mittel übersteigenden Restaurant genauso dezent entfernen, wie er mit einer Schriftstellerin "formvollendet" über ihr umfangreiches Roman-Manuskript diskutieren könne, das er nie gelesen hat, so Heyl amüsiert. Etwas wehmütig stellt er fest, dass die "urbanen, ironischen, melancholischen" Erzählungen, die 1936, im Todesjahr des Autors, erstmals erschienen, eine längst untergegangene Welt festhalten, denn er hätte zu gern von weiteren Erlebnissen des Esti gelesen.
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