Derf Beckderf

Mein Freund Dahmer

Cover: Mein Freund Dahmer
Metrolit Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783849300487
Gebunden, 224 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Stefan Pannor. Jeffrey Dahmer (The Milwaukee Monster) war ein US-amerikanischer Serienmörder, der zwischen 1978 und 1991 siebzehn Männer tötete. Erzählt wird seine Geschichte bis zum ersten Mord aus Sicht von Derf Backderf, der mit Dahmer zur Highschool ging.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2013

Es ist ganz schön gewagt, findet Burkhard Müller, eine Graphic Novel über einen Typen zu schreiben, der mehrere Menschen umgebracht, ihnen Löcher in den Kopf gebohrt und sich neben sie ins Bett legte, bis die Maden ihren Körper zerfressen hatten, nur um seine Opfer dann sorgfältig portioniert einzufrieren und sie später zu essen. Das Buch dann auch noch "Mein Freund Dahmer" zu nennen, zeugte von schrägem Camp-Humor, drückte es nicht eine schlichte Wahrheit aus, erklärt der Rezensent: Der Autor Derf Backderf ist mit Jeffrey Dahmer zur Schule gegangen und war für den Sonderling wohl das, was einem Freund am nächsten kommt. Und Backderf war sich der Schwierigkeiten seines Vorhabens vollauf bewusst, berichtet Müller, im Vorwort schildert der Autor seine künstlerischen und emotionalen Schwierigkeiten mit dem Thema. Die Widersprüche von Abscheu und Mitleid mussten unaufgelöst stehen gelassen werden, um simples Moralisieren zu vermeiden, lernt der Rezensent dort. Hier erkennt Müller auch die große Leistung dieses Comics: Backderf stellt gekonnt "das Geziemende im Schrecklichen" dar, lobt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.07.2013

Jeffrey Dahmer hatte eine ziemlich miese Kindheit, aber wie aus dem alkoholabhängigen Jungen, der im amerikanischen Mittelwesten seine Homosexualität nicht leben durfte, später einmal der "Milwaukee Cannibal" werden sollte, ein Massenmörder, der über dreizehn Jahre hinweg mindestens ein Dutzend Menschen tötete, diese Frage wird wohl ungeklärt bleiben, vermutet Michael Brake. Der amerikanische Comiczeichner Derf Backderf war mit Jeffrey Dahmer auf der Highschool und wohl das, was einem Freund am nächsten kommt, erklärt der Rezensent. In "Mein Freund Dahmer" hat Backderf diese Zeit verarbeitet, er beschreibt die Kindheit und Jugend eines Psychopathen, die Tiefs, die Hochs und die Grausamkeit des Highschool-Alltags für einen, der nicht reinpasst. Dabei zeichnet sich die Graphic Novel vor allem durch ihren Inhalt aus, durch akribische Recherche und durch Backderfs Erzählstil, weniger durch grafische Raffinesse, was für den Metrolit-Verlag durchaus programmatisch ist, weiß Brake.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2013

Sand im Getriebe der Wahnsinnsverwertung durch die Kulturindustrie erkennt Daniel Haas in Derf Backderfs Graphic Novel über seinen Schulkameraden Dahmer, der später Serienmörder wurde. Indem der Autor die Zeugenschaft ins Spiel bringt und die Frage "Hätten Sie's gewusst?", kann der Rezensent das Buch erleichtert in die Kategorie journalistische Erkundungen aufnehmen. Statt Drama und Spekulation über die kranke Seele bietet der Backderf Haas gute Recherche und Selbstbefragung. Zeichnerisch und erzählerisch findet Haas das auch gelungen, etwa durch das mittels Quadratperspektiven hervorgerufene Gefühl des Eingesperrtseins beim Betrachter.
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