Moritz Fischer

Die Republikaner

Die Geschichte einer rechtsextremen Partei 1983-1994
Cover: Die Republikaner
Wallstein Verlag, Göttingen 2024
ISBN 9783835357785
Gebunden, 616 Seiten, 40,00 EUR

Klappentext

Die Geschichte rechter Parteien in Deutschland nach 1945 fristete lange Zeit ein Nischendasein unter Historikern. Erst mit dem Aufstieg der AfD wuchs das Interesse an ihren Vorläufern. Moritz Fischer nimmt eine mittlerweile fast vergessene Partei in den Blick: die Republikaner. Unter ihrem Vorsitzenden Franz Schönhuber verbuchten sie zwischen 1983 und 1994 mehrere Wahlerfolge und galten einige Zeit als die wichtigste rechtsextreme Partei in Deutschland. Anhand neuer Quellen, unter anderem des Nachlasses des Parteimitbegründers Franz Schönhuber, blickt der Autor auf das Innenleben dieser Partei. Er analysiert die Gründe für ihren Aufstieg und untersucht den politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und juristischen Umgang mit ihr. Es gelingt ihm nicht nur, Wahlerfolge rechtsextremer Parteien und das aktuelle Zeitgeschehen besser verständlich zu machen, sondern auch, von bislang wenig beleuchteten Schattenseiten in der Geschichte der Bundesrepublik zu erzählen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2025

Eine insgesamt hervorragende Studie zur Geschichte der Republikaner legt der Historiker Moritz Fischer hier vor, findet Rezensent Frank Decker, der allerdings im Detail ein paar Einwände hat. Mit Fischer beschreibt Decker, wie die Republikaner sich zunächst unter der Führung des Ex-CSU-Politikers Franz Handlos etablierten, nach der Übernahme der Parteiführer durch den Journalisten Franz Schönhuber radikalisierten und anschließend ihre Stimmenanteile ausbauen konnten, bis sie nach der Wiedervereinigung langsam wieder in der Versenkung verschwanden. Als Hauptthemen der Partei nennt Fischer laut Decker Geschichtsrevisionismus und rassistische Ideen im Sinne des Ethnopluralismus vor allem im Anschluss an Migrationsfragen. Anders als Fischer glaubt Decker nicht, dass es sinnvoll ist, eine frühe, populistische Republikaner-Phase von einer späten, rechtsextremen zu unterscheiden, da beides durchaus miteinander kompatibel ist. Die Parallelen zum Aufstieg der AfD sind deutlich, findet Decker nach der Lektüre, etwa was die zunehmende Radikalisierung betrifft, aber auch mit Blick auf Diskussionen um ein mögliches Verbotsverfahren. Was Fischer nicht erwähnt, kritisiert Decker, sind zwei Unterschiede: Der AfD wird, anders als den Republikanern, ihr Leib-und-Magen-Thema Migration so schnell nicht entwendet werden können; und sie ist nicht auf die traditionellen Medien angewiesen, da sie ihre Anhänger direkt über die Sozialen Medien rekrutiert. Insgesamt dennoch eine erstklassige Studie, wie es sie gerne auch über andere Parteien geben darf, so das Fazit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024

Man soll dieses Buch lesen, findet Rezensent Werner Bührer, um etwas über die Auseinandersetzung mit der extremen Rechten in der Politik zu lernen. Moritz Fischer rekonstruiert darin, erfahren wir, die Geschichte der Partei "Die Republikaner", von deren Gründung 1983 bis ins Jahr 1994, als Franz Schönhuber den Parteivorsitz abgab. Das auf umfangreichem Quellenmaterial, insbesondere dem Nachlass Schönhubers, basierende Buch zeichnet vor allem die Frühphase der Partei akribisch nach, die zunächst nicht nur von Schönhuber, sondern auch von Franz Handlos geprägt war, einem abtrünnigen CSU-Mann, der sich als Volkstribun inszenierte und Heimatverbundenheit hochhielt. Schönhuber dagegen kam, erklärt Bührer, aus dem Journalismus und wurde mit einem Erinnerungsbuch an seine SS-Zeit anschlussfähig für die Neue Rechte. Nach Schönhubers Aufstieg zum Parteichef und Handlos' Parteiaustritt bewegte sich die Partei dann immer weiter nach rechts. Immer wieder, findet Bührer, werden Parallelen zur AfD der Gegenwart deutlich, etwa auch was die damaligen Diskussionen um ein Republikaner-Verbot betrifft. Schönhuber konnte zwar seine politischen Ziele nicht erreichen, so der Kritiker, aber dennoch prägte er den politischen Diskurs, etwa hinsichtlich der Etablierung ethnopluralistisch-rassistischer Denkmuster. Ein Buch, das in Sachen historischer Aufarbeitung des jüngeren Rechtsextremismus seinesgleichen sucht, schließt die Kritik.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.09.2024

Rezensent Michael Wolf empfiehlt das Buch des Historikers Moritz Fischer über die Geschichte der "Republikaner" und ihres Vorsitzenden Franz Schönhuber. Flüssig und gut geschrieben, immer nah an Schönhuber (der Autor hat dessen Nachlass ausgewertet), erzählt Fischer laut Wolf vom Weg des Journalisten Schönhuber zum Vorsitzenden der rechten Partei und auch von dessen Rücktritt. Die Konzentration der "Republikaner" auf die Asylpolitik und manch andere Parallele erinnert Wolf an die heutigen Verhältnisse. So ist das Buch für Wolf nicht nur das "lebhafte" Porträt einer Partei und der BRD zu Zeiten der Wende, sondern auch Gelegenheit, Konflikte von damals in der Gegenwart wiederzuerkennen.