Rezensentin Sandra Kegel zeigt sich beeindruckt von Kaleb Erdmanns "faszinierendem Metaroman": Erdmann hat 2002 den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium überlebt und ringt mit dem, was er in diesem Buch eigentlich erzählen möchte. Sechzehn Menschen wurden vom Amokläufer Robert Steinhäuser getötet. Erdmann nähert sich dem traumatischen Ereignis eher indirekt, etwa in Gesprächen mit einem Dramatiker, der darüber ein Theaterstück verfasst hat oder in Referenz auf viele AutorInnen, die sich mit Gewalt auseinandergesetzt haben, wie Ines Geipel, Herta Müller, Leïla Slimani. Das Buch funktioniert auf zwei Ebenen, erklärt die Kritikerin: Die literarische Annäherung an die brutale Attacke wechselt sich ab mit Auszügen aus dem "Gasser-Bericht", der den Vorfall rekonstruiert. Auch die Schwierigkeiten der Traumabewältigung werden thematisiert, erklärt die Kritikerin. Im Endeffekt führt Erdmann aber vor, wie sein eigener Roman scheiterte, denn er zeigt, wie der Autor, der seine "Höllenfenster geöffnet" hat, gleichwohl den düstersten Punkt immer zu umgehen sucht. Für Kegel wird in dieser "klugen und bewegenden" Reflexion, auch in der gelungenen Hörbuchlesung von Pascal Houdus, klar, wie Gewalt, Macht und Literatur miteinander verwoben sind.