Dennis Cooper

Die Schlampen

Roman
Cover: Die Schlampen
Luftschacht Verlag, Wien 2021
ISBN 9783903081499
Gebunden, 240 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Raimund Varga. "Die Schlampen" spielt in der Welt der Dating-Plattformen. Zentrale Figur ist ein Escort namens Brad. Die Geschichte entwickelt sich auf einer Website, auf der Escorts von ihren Kunden bewertet werden können. Erzählt wird nur durch die Postings, E-Mails und Gespräche derjenigen, die hier Beiträge schreiben. Rasch wird klar, dass sich deren Behauptungen widersprechen, Meinungen prallen aufeinander, und bald weiß man in dem Wust aus Lügen und Halbwahrheiten nicht mehr, ob sich auch eine Wahrheit darunter befindet und welcher Stimme man trauen kann. Im Laufe des Meinungskrieges mischen sich unter diversen Profilnamen auch Beitragschreiber in die Diskussion ein, die den Thread dazu nutzen, um wüsteste sexuelle Fantasien zu spinnen. Diese Fantasien steigern sich bis zur Behauptung der Existenz eines Snuff-Videos, an dem die beiden Hauptprotagonisten teilgenommen haben sollen: Aus einem anfänglich komischen Schlagabtausch zwischen enttäuschten und zufriedenen Freiern wird ein kaltes, brutales Spiel mit Gefühlen und Leben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.01.2022

Rezensent Samuel Hamen findet Dennis Coopers "Die Schlampen" wirklich gut geschrieben. Der amerikanische Autor erzählt darin mithilfe von Forenbeiträgen, Chatprotokollen und Rezensionen von dem jungen Prostituierten Brad, der angeblich während des Geschlechtsverkehrs getötet werden möchte. Die Sprache ist dem Rezensenten zufolge zwar wortkarg und obszön, doch gerade die trostlosen Postings, die jede Idealisierung von Prostitution verhindern, machen den Text für ihn zu mehr als einem pornografischen Text. Ein Rest von Humanismus bleibt, wenn auch keine Wahrheit, erklärt er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.01.2022

Rezensentin Bettina Baltschev muss Dennis Coopers Roman erst einmal verdauen, so obsessiv und obszön geht es in der Geschichte um einen jungen homosexuellen Escortboy in Los Angeles und dessen Kundenbewertungen auf einer Website zu. Viel zitieren will Baltschev aus Jugendschutzgründen nicht, aber die in den Online-Einträgen beschriebenen Sex- und Gewaltfantasien seien so drastisch, dass sie das Buch manchmal gerne zur Seite legen würde - wenn sie Coopers Spiel mit anonymen und digitalen Identitäten nicht so faszinierend fände. Letztlich schätzt sie den Text als "bitterböse Parodie" digitaler Kommunikation und als kritische Betrachtung des "Selbstverständnisses der homosexuellen Community in Zeiten von Aids", so Blatschev.