Die hier versammelten Geschichten, Behauptungen und Geständnisse wagen sich tief ins Universum des Prosatextes. Als blinder Passagier reist der Autor durch eine Historie aus Kunst, Kino und Literatur: Am Geburtstag Curzio Malapartes ziemt es sich, Wildlederhandschuhe anzuziehen und sich auf die Suche nach Windhunden zu begeben, während an dem von Scott Fitzgerald nichts anderes möglich scheint, als betrunken mit dem Schreibtischstuhl umzukippen. Wir erfahren, dass der Autor einen Drachen steigen lässt, gerade als Rolf Dieter Brinkmann in London von einem Auto überfahren wird, und dass die Freundin sich ausgerechnet an dem Tag verabschiedet, als sich die Band Nirvana von ihrem Schlagzeuger trennt. Was geht vor in einem Schriftsteller, der sich offenbar in einer schöpferischen Krise befindet? Er sucht und findet Ablenkung bei Kollegen, die sich für ein Gespräch aus dem Jenseits melden; er greift auf Obsessionen zurück, um ein wenig Alltag in den Abwechslungsreichtum zu schmuggeln; er kennt Strategien, die aus Schreibblockaden herauslocken, um in menschlichen Katastrophen zu enden. Und dennoch: Ein Text über das Schreiben einer Erzählung kann selbst die Erzählung sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2010
Derart hingebungsvoll wie Hanno Millesi in seinen Erzählungen hat sich schon lange kein Prosaautor mehr seinen literarischen Vorbildern gewidmet, stellt Rezensentin Daniela Strigl fest. In elf Geschichten wird der Leser Zeuge quälender "Selbstumkreisung", erfahren wir. Millesis Helden, überwiegend Schriftsteller, schlagen sich mit ihren Schreibblockaden herum und erhoffen sich Inspiration und Rettung durch Annäherung an ihre literarischen Idole. Man hält also nicht nur eine Geniekultsatire in Händen, sondern darf auch einen Blick in die Schriftstellerwerkstatt werfen, freut sich Strigl. Aber keine Angst: Trotz aller Metafiktion hat der Rezensentin die Lektüre großes Vergnügen bereitet.
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