Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. Im ersten Frühling, den sie allein verbringt, hält sie das Erwachen der Natur für eine Verschwendung von Schönheit an eine tote Seele und bleibt aus reiner Höflichkeit am Leben. Sie kann die Vorstellung nicht ertragen, den Rest ihres Lebens allein zu verbringen - denn sicher ist sie zu alt für eine neue Partnerschaft? Noch dazu lassen sich während der Pandemie schon gar keine neuen Menschen kennenlernen ohne eine Dating-App. Die Vorstellung, mit einem unbekannten, unvollkommenen Körper ein Bett zu teilen, ihren alternden Körper vorzuzeigen und sich fremden Blicken auszusetzen, ist ihr zunächst unangenehm. Aber schon tauchen neue Menschen im Leben einer Frau auf, die dachte, alles schon hinter sich gehabt zu haben...
Die Protagonistin von Wencke Mühleisens neuem Roman verspürt "einen nagenden Hauthunger", sie ist Ende 60, ihre Ehe ist gescheitert, erzählt Kritikerin Carola Ebeling. Die Lust auf neue Begegnungen und vor allem auf Sex ist aber weiterhin da, und um sich nicht mehr von der "morbiden Plazenta des Verlassenseins" zu ernähren, macht sie sich auf, einen neuen Mann kennenzulernen, erfahren wir. Die Erfahrung mit der "spätkapitalistischen Intimitätsindustrie", also Datingportalen wie Tinder, verknüpft Mühleisens Protagonistin mit klugen Reflexionen über das Älterwerden, die Scham, die Körperlichkeit eines Frauenlebens und mit einem außergewöhnlichen Witz, der der Rezensentin sehr gefällt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…