Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama. Zu pikant, um gedruckt zu werden - das war "Eine Wiener Romanze", bis der Roman 100 Jahre nach seiner Niederschrift auf den Rückseiten eines unverfänglichen Manuskripts entdeckt wurde. Er erzählt die Geschichte des Michael Rost, der im Wien vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs sein Glück sucht. Der junge Müßiggänger verkehrt mit Anarchisten, Aristokraten und leichten Mädchen. Er liebt den Duft der Kastanien und seine Zimmerwirtin. Als er eine Affäre mit ihrer 16-jährigen Tochter beginnt, gerät er an den Rand des Untergangs. Viele Jahre später lebt er in Paris und erinnert sich an seine Jugend. Noch immer ist er heimatlos. "Eine Wiener Romanze" schildert Jugendwahn, Urbanisierung, Religionslosigkeit, Einsamkeit und freie Liebe und das alles vor dem Hintergrund einer bröckelnden Donaumonarchie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2013
Hubert Spiegel freut sich, dass nach fünfzig Jahren im Archiv David Vogels Roman "Eine Wiener Romanze" auf Deutsch erschienen ist. Vogel, der in Israel als einer der wichtigsten jüdischen Autoren der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts gilt und dessen bewegte Lebensgeschichte von Lilach Netanel in einem kenntnisreichen Nachwort nachgezeichnet wird, erzähle hier die Geschichte des mittellosen Michael Rost, der sich im Wiener Exilantenmilieu mit Literaten, Gaunern und Prostituierten herumtreibt, bis er auf einen reichen Gönner trifft und in einem bürgerlichen Wiener Haushalt bald eine Affäre mit der Hausherrin und ihrer Tochter beginnt. Der Rezensent, dem Vogels Buch als "delikater" Vorläufer von Nabokovs "Lolita" erscheint, liest hier nicht nur ein lebhaftes Wiener Sittenbild der Zwanziger Jahre, sondern bewundert neben den poetischen Stadtbeschreibungen und den temperamentvollen Kneipendialogen insbesondere Vogels ausdrucksstarke Schilderungen der Sexualität in einer von "Leere, Ekel und brutaler Lebensgier" geprägten Atmosphäre. Höchste Zeit, diesen brillanten Autor zu entdecken, meint er.
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