David Schalko

Schwere Knochen

Roman
Cover: Schwere Knochen
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2018
ISBN 9783462050967
Gebunden, 576 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Wien, März 1938, 'Anschluss' Österreichs ans Deutsche Reich. Am Tag, als halb Wien am Heldenplatz seinem neuen Führer zujubelt, raubt eine Bande jugendlicher Kleinganoven, die sich darauf spezialisiert hat, Wohnungen zu 'evakuieren', einen stadtbekannten Nazi aus. Sieben Jahre lang müssen die Kleinkriminellen daraufhin als sogenannte Kapos für die 'Aufrechterhaltung des Betriebs' in den KZs Dachau und Mauthausen sorgen und wachsen so zu Schwerverbrechern heran, die lernen, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier eine Illusion ist. Zurück in der österreichischen Hauptstadt übernimmt die Bande um Ferdinand Krutzler die Wiener Unterwelt. Mit ungekannter Brutalität nutzt sie ihre Macht nicht zuletzt, um ehemalige Nazi-Widersacher aus dem Weg zu räumen. Aber der eingeschworene Zusammenhalt täuscht. Zunehmend verlieren sie einander in verräterischen Verstrickungen und verhängnisvollen Liebschaften. So lange, bis sie ihren Ehrenkodex aufgeben und aus Freunden unerbittliche Feinde werden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.06.2018

Den Österreicher David Schalko kennen die meisten nur als Regisseur von schwarzhumorigen Fernsehserien wie "Braunschlag". Dass er auch Literatur schreibt, wissen die wenigsten, dabei hat er durchaus schon etwas vorzuweisen, findet Rezensent Sebastian Fathuber: Einen Band mit Lyrik, einen mit Erzählungen und dazu vier Romane. Der letzte davon heißt "Schwere Knochen" und kann sich lesen lassen, trotz seiner 500-Seiten-Stärke. Was hier erzählt wird ist mal aufregend, mal witzig, hier "anziehend" und dort schauderhaft - die Geschichte von vier kleinen Gangstern, die nach dem Krieg zu ganz hohen Tieren im organisierten Verbrechen Wiens werden. Es wird alles erzählt, was zumeist spannend ist, manchmal dem Leser jedoch auch ziemlich viel Ausdauer abverlangt. Leider, meint Fasthuber, mangelt es dem Roman an etwas, das er "Tiefenschärfe" nennt. Schalko verwahrt sich davor, irgendeine Haltung zu seinen Figuren und deren Geschichten einzunehmen, was dem Buch jedoch eher schlecht tut, bedauert der Rezensent. Am Ende hätte er vielleicht doch lieber eine Serie daraus machen sollen - so Fasthubers herbes Resümee.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.05.2018

Rezensent Burkhard Müller hat sich gern von David Schalko in die Unterwelt der Nachkriegsjahre in Wien mitnehmen lassen. Zum einen, weil den Kritiker die Story um den zwei Meter großen Krutzler, der in Sekundenschnelle aus dem Handgelenk morden kann, und seine kriminellen Kumpanen der "Erdberger Spedition" schnell in den Bann zieht: Müller folgt den Ganoven vom KZ Dachau durch die Fünfziger, die sie überwiegend mit Schmuggel, Prostitution und Glücksspiel verbringen bis in die Sechziger hinein. Zum anderen, weil der Autor sich dafür entschieden hat, seine Geschichte hauptsächlich im Konjunktiv zu erzählen, informiert der Kritiker und lobt: Dieser Kniff verleiht der "dunklen Dreigroschenoper" eine angenehme "Genauigkeit durch Distanz".
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