David Pfeifers Buch räumt auf mit einseitiger Medienschelte und zeigt die vielen positiven Effekte des Medienkonsums: Immer komplexere Computerspiele verbessern unser strategisches Denken und helfen Hirnschäden heilen. Blogs bieten weltweit neue Möglichkeiten des Meinungsaustauschs. Medienbildung ist Allgemeinbildung geworden. Pfeifer wuchs selbst bis zu seinem 12. Lebensjahr ohne Fernseher auf. Mit 13 saß er das erste Mal vor einem Heimcomputer, fortan waren die modernen Medien aus seinem Alltag nicht mehr wegzudenken und dennoch wurde aus ihm ein intelligentes und soziales Wesen. Sein Aufruf: Statt uns als ohnmächtige Technikopfer zu bejammern, sollten wir beginnen, unseren Alltag mit Medien aktiv zu gestalten.
Ärgerlich hat Rezensent Kolja Mensing dieses Buch beiseite gelegt. Dabei fand er dessen Intention, der "Warnungsindustrie" gegen Computerspiele und Neue Medien den Kampf anzusagen, eigentlich begrüßenswert. Doch der Ex-Chefredakteur des Computermagazins "Konrad" hat dann zu Mensings Bedauern wenig Neues zu bieten, sondern zitiere nur längst Bekanntes. Besonders eifrig übernehme David Pfeifer Material aus dem sehr viel anspruchsvolleren Essay Steven Johnsons "Die neue Intelligenz". Doch beunruhigender als diese "copy and paste"-Technik findet der Rezensent dann die Konvertierung dieser anspruchsvollen Überlegungen zu "Marketingphrasen" und "Key-Note-Geschwätz". Schmerzlich vermisst Mensing außerdem ernst zu nehmende Überlegungen zu den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen gemeinschaftlich strukturierter Internetangebote. Letztlich gebe sich der Autor in seinem vorbehaltlosen Lob auf die neuen Medien naiver als er sei, findet Mensing und holt dann zum K.O.-Schlag gegen Pfeifers Buch aus. Dessen "naive Hightech-Propaganda" betreibt aus seiner Sicht nämlich im Grunde die "ideologische Verklärung der Leistungsgesellschaft", propagiere eine ausbeuterische neoprotestantische Ethik, die aus der Erwerbstätigkeit mittels des Computers einen Dauerzustand machen wolle.
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