Seit das Maschinenschreiben zur Gewohnheit geworden ist, haben sich für das Schreiben von Hand und mit der Maschine unterschiedliche Funktionen herausgebildet. Mit dem Einzug elektronischer Medien haben sich diese Funktionen und, damit verbunden, auch die Relationen zwischen den am Schreiben beteiligten Faktoren noch einmal markant verändert. Trennte die mechanische Schreibmaschine bereits spürbar und ersichtlich die Bewegung der Hand, das heisst der Finger, vom Produkt des Schreibens, den nunmehr getippten Lettern, so bestimmt der Computer das Verhältnis von Input und Output noch einmal grundsätzlich neu. Durch diese Neubestimmung hat sich auch der Spielraum der Reflexion darüber erweitert, was mit dem Wort Schreiben heute noch bezeichnet werden kann oder soll.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2007
Anerkennung zollt Malte Kleinwort diesem von Martin Stingelin, Davide Giuriato und Sandro Zanetti herausgegebenen Band über "Schreibszenen im digitalen Zeitalter". Im Mittelpunkt des Bands sieht er die Widerspenstigkeit der Medien beim Schreiben, die trotz oder gerade wegen der beim Computer üblichen "benutzerfreundlichen Oberflächen" eine Rolle spielt. Er registriert die Unübersichtlichkeit, die mit den vielen neuen technischen Möglichkeiten einhergeht. Deutlich wird für ihn, dass beim digitalisierten oder elektronischen Schreiben die Schreibpraktiken zu verschieden für eine einfache Definition ausfallen. Neben Roland Reuß? Analyse des SMS-Schreibens, die eine "Umfunktionierung des Daumens" konstatiert und eine Zeit prophezeit, "in der das Begreifen keine Rolle mehr spielt", hebt Kleinwort einen Beitrag über die SMS-Literaturwettbewerbe hervor, der die SMS nicht als Niedergang der Literatur deute, sondern auf die Kontinuität in der Tradition kurzer Lyrik hinweise. Insgesamt überzeugen Kleinwort nicht nur die inhaltliche Qualität der Beiträge, sondern auch Gestaltung der Texte wie die Qualität der zahlreichen Faksimiles und Abbildungen.
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