David Motadel

Für Prophet und Führer

Die islamische Welt und das Dritte Reich
Cover: Für Prophet und Führer
Klett-Cotta Verlag, Suttgart 2017
ISBN 9783608981056
Gebunden, 568 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

David Motadel schildert die Geschichte der Millionen Muslime unter deutscher Herrschaft. Eindringlich zeigt er, wie der NS-Staat und andere Großmächte den Islam für politische Zwecke vereinnahmten. Ein Standardwerk zur deutsch-islamischen Geschichte im 20. Jahrhundert. David Motadel stellt erstmals umfassend die Islampolitik des NS-Regimes dar. International vielbeachtet veranschaulicht der Historiker, dass und wie sich das Dritte Reich als Schutzherr der Muslime präsentierte. Deren Glaube instrumentalisierte die NS-Elite für geopolitische wie militärische Zwecke.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2018

Reinhard Schulze liest die Studie des Historikers David Motadel, um eine detailliertes Bild der nationalsozialistischen Islampolitik zu bekommen. Die Fehlurteile der Nazis, namentlich Himmlers, kann ihm der Autor vor Augen führen. Mehr als ein Kompendium über die Islampolitik der Nationalsozialisten ist das Buch für ihn, da der Autor die Quellen zu einer Erzählung verbindet, die Anbahnung deutscher Islampolitik im Kaiserreich erörtert, ihre Motivation durch den Afrikafeldzug 1941 erklärt und die Mobilisierung muslimischer Kämpfer durch die Nazis aufzeigt. Relativ unterbelichtet bleiben im Buch laut Rezensent der Einfluss und die Effekte des NS-Regimes auf die muslimischen Gemeinschaften.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2017

Bereits vor drei Jahren im Verlag der Harvard-University erschienen, ist Rezensent Tanjev Schultz dankbar, dass David Motadels Studie über die Islampolitik im Dritten Reich nun auch auf Deutsch vorliegt. Für den Kritiker ist das Buch schon jetzt ein Standardwerk, in dem er nachliest, wie die Nazis in Nordafrika, im Nahen Osten, im Kaukasus, auf der Krim und dem Balkan versuchten, Muslime zu instrumentalisieren, indem etwa Zuckerwürfel in Papier verschenkt wurden oder Hitler anhand von Koranpassagen als religiöse Figur, etwa als wiedergekehrter Isa, dargestellt werden sollte. Dank der enormen Rechercheleistung Motadels, der dreißig Archive aus vierzehn Ländern auswertete, erfährt der Rezensent hier nicht nur, wie das nationalsozialistische Orientreferat versuchte Großmuftis anzuwerben, sondern auch, wie "improvisiert" und wenig glaubwürdig die Islampolitik des NS-Regimes ausfiel: Dass die Nazis nicht zwischen Sunniten und Schiiten unterscheiden konnten oder Soldaten und SS-Einheiten beschnittene Muslime für Juden hielten und ermordeten, liest der Kritiker in dieser, wie er findet, "bahnbrechenden" Studie ebenfalls.
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