David Grossman

Kommt ein Pferd in die Bar

Roman
Cover: Kommt ein Pferd in die Bar
Carl Hanser Verlag, München 2016
ISBN 9783446250505
Gebunden, 256 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer. Für eine gute Pointe gab Dovele schon immer alles. Als Kind lief er oft auf den Händen. Er tat das, um seine Mutter zum Lachen zu bringen und damit ihm keiner ins Gesicht schlug. Heute steht er ein letztes Mal in einer Kleinstadt in Israel auf der Bühne. Er hat seinen Jugendfreund, einen pensionierten Richter, eingeladen. Im Laufe des Abends erzählt der Comedian zwischen vielen Witzen eine tragische Geschichte aus seiner Jugend. Es geht um Freundschaft und Familie, Liebe, Verrat und eine sehr persönliche Abrechnung auf dem Weg zu einer Beerdigung. Dem Kleinstadtpublikum ist das Lachen vergangen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.06.2016

Katharina Granzin entdeckt zwischen all den Witzen in David Grossmans Roman eine tiefe Traurigkeit. Die Geschichte es Comedians wider Willen, der als Kind seine vom Holocaust traumatisierte Mutter aufheitern musste und der nun sein Publikum mit dieser Tatsache konfrontiert, verstört die Rezensentin wie das fiktive Publikum auch. Die Einheit von Zeit und Ort der Bühnensituation, mit der der Roman anhebt, wird laut Granzin durch einen im Publikum sitzenden Kinderfreund der Hauptfigur durchbrochen, was dem Text Tiefe verleiht. Dass dieser Autor keine Antworten gibt, sondern Fragen stellt und beharrlich den Finger in die Wunde sorgsam zurechtgebastelter Lebensläufe legt, erfährt Granzin einmal mehr mit diesem Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2016

Einen bitterschwarzen Abend erlebt Tilman Spreckelsen mit David Grossmans im hebräischen Original 2014 erschienenen Roman um drei Kindheitsfreunde, die sich bei der Comedy-Performance des Protagonisten wiederbegegnen. Die Vorführung bildet den Rahmen des Textes, erläutert Spreckelsen, der sich tief beeindruckt zeigt von Grossmans Fähigkeit, einen labilen, mit traumatischen Kindheitserinnerungen und der Holocausterfahrung seiner Familie kämpfenden Komiker glaubhaft in den Mittelpunkt seines Romans zu stellen. Auf dem Grat zwischen Komik und Grauen balancieren Autor und Figur gekonnt, versichert der Rezensent. Etwas enttäuscht zeigt sich Spreckelsen daher über das allzu versöhnliche Ende des Romans.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.02.2016

Diese Farce mutet der Rezensentin Insa Wilke einiges zu. Von David Grossmans sonst eher Feinfühliges gewöhnt, muss sie sich erst einmal auf diesen Roman einlassen, der von dem Zyniker Dovele erzählt, der als alter böser Mann sein Comedy-Publikum in Netanja mit misanthropischen Tiraden überzieht. Dass sich dieser Unsympath plötzlich als verletzte Seele erweist, wäre ihr beinahe als rührseliger Kniff erschienen, doch dann erklärt sie sich Grossmans Intention als Versuch, Verständigung zu ermöglichen: Er will seine Leser dazu bringen, den Blick auf die Menschen und das, was zwischen ihnen liegt, auszuhalten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2016

In einem Text, der eigentlich eher ein Porträt als eine Kritik ist, nennt Rezensentin Marie Luise Knott David Grossman den wohl bedeutendsten israelischen Autor seiner Generation, einen feinfühligen Seismographen der Stimmen und Sichtweisen. Grossmans neuer Roman scheint ihr ganz neue Töne anzuschlagen, indem der Autor mit großer Direktheit die Gewalt in seinem Land anspricht. Was vordergründig als Bühnenshow in der Provinz abläuft, eröffnet Knott existenzielle Fragen zu den Lebenslügen einer ganzen Gesellschaft und zu ihrer dahinter verborgenen Menschlichkeit. Ein explosiver, zugleich zarter, meisterlicher Text, findet Knott.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.02.2016

Der neue Roman von David Grossman spiele zwar nur in einem einzigen Saal in Netanja, in dem der Stand-up-Comedian Dovele Grinstein an seinem 57. Geburtstag auftritt, doch alle Probleme Israels reichen in diesen Raum hinein, schreibt Martin Ebel. Dazu gehört, so der Kritiker, auch Grinsteins Biografie als Sohn einer Holocaust-Überlebenden. Der Rezensent lobt die formale Raffinesse des Romans, dessen kluge Konstruktion und psychologische Tiefe: Grossman spiele "auf der Klaviatur unserer Rezeptoren wie der Comedian auf den Nerven seines Publikums". Und beide seien Meister ihres Fachs: die Hauptfigur Grinstein wie auch ihr Schöpfer Grossman, der mitunter "herzzerreißende Formulierungen" finde.