Aus dem Französischen von Kai Wilksen. In "Die Heilige Krankheit? erzählt David B. mit einzigartiger Offenheit seine Familiengeschichte, die durch die Epilepsie seines Bruders geprägt wird. Die verzweifelte Suche seiner Eltern nach einer Heilmethode für ihren Sohn führt die Familie vom Facharzt zum Guru, vom Scharlatan zur makrobiotischen Kommune, von der Sekte bis nach Lourdes. Dieses Aufwachsen zwischen Heerscharen von Ärzten und Armeen von Dämonen wird für David B. zum Albtraum, den er Jahre später mit seinem Meisterwerk "Die Heilige Krankheit? überwindet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.01.2008
Christoph Haas ist von dem zweibändigen Comic, in denen der französische Zeichner David B. von der Epilepsie seines Bruders und dem Leben der Familie mit der Krankheit erzählt, tief beeindruckt und erschüttert. David B schildert in betont sachlichen Texten und im Gegensatz dazu zwischen Fantastik und Realismus springenden Zeichnungen nicht nur das intime Leben der Familie, die immer mehr isoliert wird, und das hilflose Suchen nach alternativen Heilmethoden, weil konventionelle Mittel nicht nützen. Er öffnet gleichzeitig den Blick auf die größeren Zusammenhänge, wenn er zum Beispiel die spirituellen Absonderlichkeiten der sechziger und siebziger Jahre dargestellt oder den Ersten und Zweiten Weltkrieg in Rückblicken thematisiert. Insgesamt ist es ein düsteres und bedrohliches Bild, das der Zeichner von der Krankheit und ihren Auswirkungen auf die Familie entwirft, und so ist Haas am Ende froh, dass sich so etwas wie ein Silberstreif am Horizont abzeichnet.
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