Daniela Dröscher

Zeige deine Klasse

Die Geschichte meiner sozialen Herkunft
Cover: Zeige deine Klasse
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2018
ISBN 9783455004311
Gebunden, 256 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Daniela Dröscher verfasst ein einzigartiges Porträt über soziale Herkunft, das überraschende Antworten gibt: auf Grundprobleme politischen Engagements, das Auseinanderdriften verschiedener Milieus, öffentliche Wahrnehmung und auf die Frage, warum Klasse mit so viel Scham besetzt ist (das gilt für die ganz oben und die ganz unten). Zeige deine Klasse beschwört ein Stück deutscher Geschichte herauf, das die politischen Verhältnisse aus einer radikal subjektiven Perspektive beleuchtet. Als Instrument dient Dröscher dabei ein längst ausgedienter Begriff, der der Klasse. War es für die Autorin lange selbstverständlich, alles durch die Brille von Gender und Rasse wahrzunehmen, hilft ihr Klasse die Unterschiede herauszuarbeiten, die Herkunft letztlich bedeutet und warum das Wir-Gefühl sich verloren hat. Identität und Schicht sind ihr zu wage. Von ihrer frühen Kindheit bis jetzt erlebt sie immer wieder Macht- und Ohnmachtsverhältnisse, die kein Wohlstand aufzulösen vermag.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018

Im Wege der Ausgrenzungserfahrung, die mit Rassismus und Sexismus untersucht wird, ist auch der Klassenbegriff in den Sozialwissenschaften wiederbelebt worden, erklärt Rezensentin Verena Mayer. Doch versteht man nach Lektüre ihrer Kritik nicht recht, worauf dieses Buch von Daniela Dröscher eigentlich hinaus will. Dröscher beschreibt laut Rezensentin hier - ganz in Eribon-Manier und unterfüttert mit soziologischen Daten - den sozialen Aufstieg ihrer Familie: Die Großeltern Aussiedler, die Eltern - er Maschinentechniker, sie Fremdsprachenkorrespondentin - schon Mittelklasse, die Tochter dann Privatinternat und studiert. Eigentlich eine schöne Aufsteigergeschichte aus den Siebzigern. Doch zeichnet Dröscher ein (westdeutsches) Milieu, dass sich trotz dieses Aufstiegs unterlegen fühlt, so die Kritikerin. Warum, erklärt sie nicht. Aber eine "politische Deutung" liefere Dröscher auch nicht: Für die Rezensentin ist "Zeige deine Klasse" mehr ein literarisch anspruchsvoller Text über soziale Grenzen als ein politischer Leitfaden zu ihrer Überwindung.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.09.2018

Frank Schäfer hört die Vorbilder und Zitatgeber aus Daniela Dröschers autobiografischem Essay heraus, Eribon, Illouz, Bourdieu. Verdienstvoll findet er Dröschers Versuch, den eigenen Milieuwechsel aus dem Bürgertum ins Bildungsbürgertum und die dabei anfallenden Reibungen und Minderwertigkeitskomplexe zu beschreiben. Bemerkenswert scheint ihm die Offenheit und dass der Leser von ihr nicht peinlich berührt wird. Die Notwendigkeit intimer Details für den soziologischen Ertrag leuchtet ihm an jeder Stelle des Textes ein. Den beinahe collageartigen Mix aus Narration und Analyse hält er für wesentlich für die Suggestivität des Essays. Die ein oder andere allzu elaborierte Fußnote liest er als Symptom des beschriebenen Komplexes.