Dagmar von Gersdorff lässt diese Liebesgeschichte vor den Augen des Lesers wieder aufleben. Sämtliche Gedichte, die Goethe an Lili richtete, sowie seine Briefe und Tagebuchnotizen sind in diesem Band abgedruckt. Bis ins Alter hat Goethe die Zeit, in der er mit Lili verlobt war, beschäftigt. Noch Jahrzehnte später heißt es in Dichtung und Wahrheit: "Ich wäre stolz gewesen, es der ganzen Welt zu sagen, wie sehr ich sie geliebt und ich glaube, sie wäre nicht errötet zu gestehn, dass meine Neigung erwidert wurde."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2002
Den Titel der Abhandlung von Dagmar von Gersdorff über Goethes neunmonatige Beziehung im Jahr 1775 zu der "gescheiten" und attraktiven Frankfurter Bankierstochter Lili Schönemann findet Manfred Koch etwas gewagt. Denn schließlich sei es Goethe selbst gewesen, der diese Beziehung zwar später so mythologisierte, aber damit in Widerspruch zu seinem Lebenswandel geriet, meint der Rezensent. Gersdorff nun erzähle über die einzelnen Stationen dieser Liaison, über "auftretende Herzens- und Familienverstrickungen" und schließlich die "dramatische Trennung". Inhaltlich sei das zwar nichts Neues, denkt Koch, aber für Nichtkenner des Goetheschen Liebeslebens berichte die Autorin "zuverlässig" und "anschaulich". Vielleicht, munkelt der Rezensent, wäre die Ausgabe in einem anderen Verlag als Insel etwas "respektloser" ausgefallen, denn schließlich seien für die Trennung des Paares nicht "äußerliche Hindernisse" verantwortlich gewesen, sondern Goethes "notorische Bindungsscheu", ist Koch überzeugt.
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