Dagmar Leupold

Grüner Engel, blaues Land

Roman
Cover: Grüner Engel, blaues Land
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406556173
Gebunden, 204 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

In ihrem Roman erzählt Dagmar Leupold die Liebesgeschichte zweier vom Leben Enttäuschten: der Archäologin Sophia, die ihr Geld damit verdient, Produktnamen für Parfüms zu erfinden, und des Historikers Johannes, der an einer Biografie des Esperanto-Erfinders Ludwig Lazarus Zamenhof schreibt. Er lädt Sophia, die er bislang nur angelächelt hat - zu beider Überraschung - auf einen Abstecher nach Belgien ein, in die Nähe von Liege, wo es mehr als hundert Jahre lang ein neutrales staatsähnliches Gebiet gegeben hat, Moresnet, das beinahe der erste Esperanto-Staat geworden wäre. Sophia trauert ihrer großen Liebe zu einem verheirateten Mann nach, Johannes ist seit einem Kindheitstrauma stumm, es sind sozusagen zwei Versehrte. In der heruntergekommenen Ferienanlage, in der sie sich eingemietet haben, gesellt sich Annika, ein rührend unschönes Mädchen, zu ihnen, das, wenn überhaupt, offenbar nur Russisch spricht. In den sieben Tagen ihrer Reise, im Herzen Europas und am verwahrlosten Schauplatz einer sozialen und politischen Utopie, der nur noch landschaftlich paradiesisch wirkt, entwickelt sich eine unwahrscheinliche, aber durchaus folgenreiche Liebe.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.08.2007

Mit diesem Roman, meint Rezensent Eberhard Falcke, sei Dagmar Leupold ein großes Wagnis eingegangen, und gescheitert sei sie damit auf keinen Fall, auch wenn sie ihren Lesern eine Menge zumute. Denn Leupold erzähle weniger eine Liebesgeschichte, als dass sie "Liebeswissenschaft" betreibe. Sie erzählt von einer Reise, die der Historiker Johannes, dem die Sprache fehlt, und die arbeitslose Archäologin Sophia, der die Liebe fehlt, unternehmen, um sich selbst und gegenseitig zu erkunden. Dabei, schreibt der Rezensent, werde der Roman weniger durch eine Handlung vorangetrieben als vielmehr durch das Vordringen in neue Reflexionsebenen. "Vielschichtig, überaus anregend" findet dies der Rezensent, "allerdings geht es auch nicht ohne Anstrengung ab".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.08.2007

Hingerissen ist Barbara von Becker von Dagmar Leupolds Roman "Grüner Engel, blaues Land". Erzählt wird die Liebesgeschichte zwischen einem durch ein Kindheitstrauma stummen Historiker, der eine Biografie über den Esperanto-Erfinder Lazarus Zamenhof schreibt, und einer Archäologin, die ihr Geld als Parfumnamendesignerin verdient, beides Außenseiter, die sich zögernd einander annähern. Becker bewundert den meisterhaften Umgang der Autorin mit den den Roman durchziehenden Motiven von Sprache und ihrer Abwesenheit, des Am-Rande-Stehen und eines neuen babylonischen Sprachengemisches. Außerdem hat sie Leupolds "bravouröses Spiel" mit dem "Reichtum, der Schönheit, dem Tiefsinn von Sprache" beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2007

Mit "Grüner Engel Blaues Land" lässt Dagmar Leupold ein ganzes Arsenal an alttestamentarischen  Motiven und allegorischen Verweisen auftreten, stellt Verena Auffermann fest. Es geht um die verlorene Sprache eines Historikers, der sich in seiner stummen Existenz mit Esperanto beschäftigt und im Lauf dieses Romans die Liebe und die Sprache wieder findet, erklärt die Rezensentin. In diesem Buch wird viel beobachtet und reflektiert, aber richtig lebendig werden die Figuren dadurch nicht, beklagt die Rezensentin. Überhaupt findet sie den Roman mit allzu viel Bedeutung überfrachtet, Leupold zeigt sich in diesem Buch zu sehr als Autorin mit Programm, als dass der Leser sich auf die Geschichte und ihre Figuren wirklich einlassen könnte, bedauert Auffermann.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2007

Reserviert betrachtet Martin Halter Dagmar Leupolds Roman über die Liebe zweier verwundeter Seelen. Die Liebesgeschichte um den Historiker Johannes, der eine Biografie des Esperanto-Erfinders Ludwig Lazarus Zamenhof schreibt und seit einem in der Kindheit erlittenen Trauma stumm ist, und die Archäologin Sophia, die als Designerin von Parfümnamen ihr Geld verdient, wirkt auf ihn doch stark wie eine Kopfgeburt. Zwar bescheinigt er der Autorin, die langsame Annäherungen der beiden Liebenden mit "schöner poetischer Zartheit" und zugleich "großem intellektuellem Aufwand" zu beschreiben. Alles scheint ihm "wunderbar konstruiert, geschmackvoll ausgedrückt, klug analysiert und kommentiert", wenn die Liebenden feine Sentenzen und tiefe Gedanken austauschen. Aber gerade darin sieht er auch das Problem des Romans, der ihm eher wie ein "sprachtheoretischer Essay" und ein "Album der schönsten Parfüm- und Pflanzennamen und Aphorismen" vorkommt. Dass der Text auch noch von mythologischen Anspielungen und "aufdringlichen ‚Subtexten’" strotzt, macht die Sache für Halter auch nicht besser.
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