Jill Lepore

Diese Wahrheiten

Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika

Klappentext

Die Amerikaner stammen von Sklaven und Sklavenhaltern ab, von Eroberern und Eroberten, von Einwanderern und von Gegnern der Einwanderung. "Eine Nation, die im Widerspruch mit sich selbst geboren wurde, wird für immer um den Sinn ihrer Geschichte kämpfen", schreibt Jill Lepore. "Die Vergangenheit ist ein Vermächtnis, ein Geschenk und eine Last. Sie lässt sich nicht umgehen. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sie zur Kenntnis zu nehmen." Die Historikerin Jill Lepore erzählt die Geschichte der USA von ihren Anfängen bis zur heutigen Weltmacht in der Krise. Mit neuem Blick fragt sie, ob die fundamentalen "Wahrheiten" (Thomas Jefferson), auf denen die amerikanische Gesellschaft aufgebaut ist - politische Gleichheit, natürliche Rechte, Volkssouveränität - von der Geschichte bestätigt oder betrogen worden sind. Ihre Antwort verknüpft kunstvoll die Geschichten der amerikanischen Politik, des Rechts, des Journalismus und der Technologien, von den ersten kolonialen Versammlungen bis zu den Internet-Polls der Gegenwart, von der Magna Carta bis zum Patriot Act, von den ersten Druckerpressen bis zu Facebook. Bekannte und unbekannte Amerikaner, Präsidenten und Schurken, die Reichen und die Ärmsten des Landes begegnen dem Leser auf dieser Reise durch die Jahrhunderte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.11.2019

Michael Hochgeschwender lobt die gute Zugänglichkeit von Jill Lepores Geschichte der Vereinigten Staaten. Lebendig, klug und nuancenreich findet er, was die Historikerin zur Zeit von 1865 bis zur Gegenwart zu sagen hat. Was Lepores Darstellung der übrigen Zeit angeht, plagen den Rezensenten Zweifel, ob Lepores Grundannahmen zur amerikanischen Geschichte nicht anachronistisch sind. So scheint ihm die Frage, auf welchen Begriff von Freiheit und Gleichheit wann mit welchen Intentionen rekurriert wird, nicht unerheblich. Dass Lepore die philosophische Diskussion und geschichtliche Wandlung solcher Konzepte vermeidet, findet er bei einer Historikerin überraschend. Sachliche Fehler und Verkürzungen verärgern den Rezensenten zusätzlich. Für eine Gesamtdarstellung genügt ihm das nicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2019

Rezensent Paul Ingendaay lernt aus Jill Lepores Geschichte der USA, wie weit die Ideale der amerikanischen Verfassung und die politische Realität des Lande auseinanderklaffen. Die 1000 Seiten, die laut Ingendaay nur ausreichen, da Lepore sich vor allem auf das Politische, das Gesellschaftliche und das Sozialgeschichtliche beschränkt und Militär- und Diplomatiegeschichte gleich ganz auslässt, lesen sich für den Rezensenten spannend trotz ihres erheblichen theoretischen Gehalts, da zusammenhängend und leicht im Ton. Lepores "Gemeinschaftskunde" besticht für Ingendaay aber auch durch die gekonnte Verknüpfung von historischer und Individualperspektive und dadurch, dass Lepore all den Entrechteten und Geächteten, "Schwarzen, Indianern, Frauen und Homosexuellen" eine Stimme verleiht und ihre Diskriminierung einfühlsam schildert. Mitreißend ist für Ingendaay schließlich noch die Schilderung der Radikalisierung der Parteien und der Debatte um Trumps Mediengemachtheit.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.10.2019

Vollkommen hingerissen ist der Rezensent Alexander Cammann von diesem Werk der amerikanischen Historikerin Jill Lepore, die, wie er betont, bereits mit vielen Preisen für ihr Schreiben überschüttet worden ist. Er zeichnet nach, wie sie die Geschichte der USA von der Gründung bis heute anlegt als dynamisches Geschehen im Spannungsfeld seiner frühen Widersprüche und streicht heraus, mit welch großer Kunst des Erzählens Lepore bekannte historische Figuren und Ereignisse in Beziehung setzt zu den Underdogs und Unbekannten der amerikanischen Geschichte. So lasse sie die Leser hautnah teilhaben am Geschehen. Für Cammann ein "bahnbrechendes, ach was: revolutionäres Buch". Als eine charakteristische Einzelheit, die ihn immer wieder frappiert, hebt Cammann den Gebrauch von Zahlen hervor, so erwähne Lepore, dass in den zweihundert Jahren zwischen 1600 und 1800 etwa eine Million Europäer ins Land strömte, gleichzeitig jedoch zweieinhalb Millionen "versklavte Afrikaner" kamen. Auch für die so oft erzählten 1960er Jahre lässt sie sich neue Sichtweisen einfallen - und ist in der Lage, am Ende angesichts von Trump und seinen Wählern noch einen liberal-selbstkritischen, "sehr poetischen" Epilog zu schreiben. Alexander Cammann lobt jetzt nicht mehr, er kniet nieder.