Cynthia Ozick

Der ferne Glanz der Welt

Roman
Cover: Der ferne Glanz der Welt
Pendo Verlag, München/Zürich 2005
ISBN 9783866120556
Gebunden, 398 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Irene Rumler. Über ein Zeitungsinserat kommt die junge Rose Meadow, eine Waise, in den chaotischen Haushalt einer jüdischen Intellektuellen-Familie. Eben gehörten die Mitwissers noch zur Elite. Er war ein angesehener Gelehrter, sie arbeitete als Physikerin mit dem späteren Nobelpreisträger Schrödinger zusammen. Nun sind sie über Nacht zu Flüchtlingen geworden. Während alle versuchen, im Leben wieder Fuß zu fassen, richten sich ihre Hoffnungen auf James A?Bair, ihren Gönner, den Sohn eines erfolgreichen Kinderbuchautors. Doch er ist selber auf der Flucht vor seiner eigenen Vergangenheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2006

Thomas David bespricht Cynthia Ozicks Roman "Der ferne Glanz der Welt" im Rahmen eines längeren Porträts über die hierzulande noch weithin unbekannte 1928 geborene Autorin. Sie gilt, wie er betont, als wichtigste amerikanisch-jüdische Schriftstellerin der letzten Jahrzehnte, neben Philip Roth, Saul Bellow und Bernard Malamud. Im neuen Roman erzählt sie die Geschichte des vor den Nazis 1935 in die Bronx fliehenden Religionswissenschaftlers Rudolf Mitwisser. Er forscht über die jüdische Sekte der Karäer - und verliert sich zusehends in seinen Recherchen. Kontrastiert wird sein Schicksal mit dem einer zweiten Figur, James A'Bair, "Opfer einer literarischen Usurpation". Sein Vater hat ihn zum Gegenstand eines Bilderbuchs gemacht: dem Bild, das sich die Welt deshalb von ihm macht, kann er nicht entrinnen. Der Rezensent betont die philosophische Dimension des Romans, dem es um die Kraft der Metapher geht, darzustellen, was anders nicht darstellbar wäre. Seine "intellektuelle Brisanz" macht den Roman, so David, "zu einem wichtigen, wenn nicht gar einem bedeutenden" Werk.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2006

Sabine Brandt gefällt Cynthia Ozicks Emigrantenroman offenbar, auch wenn sie es nie explizit erwähnt. Den Großteil der Rezension versucht sie vielmehr, Ozick von dem Vorwurf zu befreien, sie habe eine Geschichtsbuch geschrieben. Nein, informiert Brandt, vielmehr ein "Geschichtenbuch", das zu jeder Zeit und vor jedem Hintergrund spielen könnte. Zwar ist die jüdische Familie Mitwisser vor dem Nationalsozialismus nach New York geflohen. Aber "nirgends tut Ozick so, als wolle sie ein Zeitalter porträtieren." Die Figur des Kindermädchens Rose hält Brandt zudem für eine gute Idee, weil sie mit ihrer von außen kommenden Empfindsamkeit einen "tiefen Blick in die verstörten Emigrantenseelen" erlaube.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2005

Alexandra Kedves kann Cynthia Ozicks "Origami-Roman" nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Einfach zu viele nur "halb ausgeführte" Handlungsstränge sind hier ineinander gefaltet, klagt die Rezensentin. Da ist der aus Nazideutschland geflohene Professor Mitwisser, der die Sekte der Karäer erforscht, da ist der "Bear Boy" James, eine Gegenentwurf zu Christopher Robin aus "Winnie the Pooh", und da sind schließlich noch die etlichen angerissenen Geschichten der Flüchtlinge, die sich im Haus des Professors die Klinke in die Hand geben. Da helfen auch die "hübschen Kindheitsapercus" nicht, die Ozick in das Buch "tupft". Dass am Ende das Medium Buch, um dessen Bedeutung als Mittel der Wissensvermittlung es sich die ganze Zeit gedreht hat, seinen Sinn verloren hat, empfindet die Rezensentin schließlich nur noch als "bös ironische Note" auf das "trotz Stimmenwunder hier und Figurenzauber da" nicht unbedingt gelungene vorliegende Buch.
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