Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs und Pauline Kurbasik. Ehe, Freundschaft, Schriftstellerinnendasein: Die Frauen in Curtis Sittenfelds neuem Erzählband setzen sich mit den großen Themen des Lebens und der Lebensmitte auseinander. Sie sind in den Vierzigern und merken, dass ihre lang gehegten Überzeugungen nicht mehr tragen in einer Welt, die sich beständig ändert. Da gilt es, sie und sich selbst zu hinterfragen und sich aufzumachen zu neuen Ufern. Jill wird vermeintlich gecancelt. Ruth ist damit konfrontiert, dass sie als weibliche Autorin ganz anderen Kriterien ausgesetzt ist als ein Kollege. Jess besucht zwei Freundinnen, die sie seit ihrer Scheidung nicht mehr gesehen hat, und lotet ihre Beziehung neu aus. Bei Lee Fiora, der Protagonistin aus Sittenfelds Debüt 'Prep', ist es das Abschlussjubiläum, das zu einer Auseinandersetzung mit dem früheren Selbst führt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.04.2026
Gern liest Rezensentin Meredith Haaf das neue Buch der Bestsellerautorin Curtis Sittenfeld. Zwölf Kurzgeschichten enthält es, die meisten kreisen um Frauen in den mittleren Jahren, die gut verdienen und sich einigermaßen glücklich in ihrem Leben eingerichtet haben. Auch, weil sie gelernt haben, sich nicht mehr selbst zu hassen und ihr Glück nicht von Männern abhängig zu machen, "deren Selbstwertdefizit man zum persönlichen Liebesprojekt" erkoren hat, wie Haaf schreibt. Eine Geschichte dreht sich um die Schriftstellerin Ruthie, die auf ihr zwanzigjähriges Ich zurückblickt, in ihrem Literaturstudiengang umgeben von missgünstigen Männern - was Ruthie die Laune aber nicht verderben kann. Wie immer schreibt Sittenfeld unterhaltsam, ganz ohne "doof" zu sein, freut sich die Kritikerin. Und nicht zuletzt sei der Text von Stefanie Jacobs und Pauline Kurbasik auch noch glänzend übersetzt.
Curtis Sittenfeld hat sich in ihrem neuen Buch verschiedenen Frauenleben in den mittleren Jahren gewidmet, berichtet Rezensentin Manuela Reichart: Da ist zum Beispiel Janie, deren Mammografie-Befund Anlass zur Sorge gibt, und die ihr Leben überdenkt. War der Ehemann die richtige Wahl? Welche Konsequenzen hatten ihre beruflichen Entscheidungen? Hätte sie sich doch lieber dem Mann hingeben sollen, mit dem sie leidenschaftlichen Sex hatte, der aber mittlerweile tot ist? Reichart liest von erfolgreichen, klugen Frauen, deren Schicksale gerade durch ihre Alltäglichkeit bestechen: Unglückliche Ehen, eingeschlafene Beziehungen, beruflicher Stillstand, Älterwerden, aber auch Rassismus fehlt nicht. Das liest sich gekonnt, findet die Kritikerin, für sie sind die zwölf Geschichten "lese-süchtig machend".
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