Clemens J. Setz

Bot

Gespräch ohne Autor
Cover: Bot
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518427866
Gebunden, 166 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein bekannter Schriftsteller und werden um ein ausführliches Interview gebeten. Sie sollen Auskunft geben über Ihre Interessen und intellektuellen Vorlieben, über die Voraussetzungen und Hintergründe, über Motive und Themen Ihres umfangreichen Werks. Stellen Sie sich vor, Ihnen fällt nichts ein, gar nichts, so sehr Sie sich auch bemühen. Dann muss eben jemand anderer über Sie erzählen. Aber wer sollte das sein? Wer weiß gut genug über Sie und ihre Bücher Bescheid? Im Fall des Schriftstellers Clemens J. Setz fand sich eine Alternative. Aber keine natürliche Person steht hier Rede und Antwort, sondern eine Art künstliche Intelligenz, sein Millionen von Zeichen umfassendes elektronisches Tagebuch - die ausgelagerte Seele des Autors, kurz gesagt: ein Clemens-Setz-Bot. Und was der Befragte selbst im mündlichen Gespräch nicht zu verbalisieren mochte, gibt das Werk allein, völlig losgelöst von seinem Autor, in verblüffender Offenheit preis.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.04.2018

Hm, ein Sammelsurium mit elektronischen Mitteln scheint das zu sein. Auf dem Cover des Bandes steht zwar Clemens Setz als "Autor", aber das Buch ist hervorgegangen aus Fragen der Autorin Angelika Klammer an den Schriftsteller, der ihr sein computergespeichertes Notatgewimmel für Zufallsabfragen zur Verfügung gestellt hat. Rezensent Ekkehard Knörer staunt, zögert und kommt dann doch zu einer Leseempfehlung. Zwar produziere die Methode - deren Vorbilder Knörer bis in den Surrealismus und die Romantik Jean Pauls zurückverfolgt - selten wirkliche Pointen. Aber auf Setz' eigenartige, irritierende Wahrnehmung ist laut Knörer Verlass. Übrigens weiche das Buch mit seinem "Willen zum Auseinanderstieben" gar nicht so weit von anderen Werken, ja selbst Romanen Setz' ab, die sich durch alles mögliche, aber gewiss nicht nur durch konventionelle erzählerische Stringenz auszeichneten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2018

Rezensent Oliver Jungen ahnt schon, dass Clemens J. Setz gar nicht anders kann, als die Realität ins Luftige "zu zerstäuben". Gut gelungen in diesem Buch, findet Jungen, in dem der Autor ein Interview fingiert. Die aus den Journalen des Autors zusammenkompilierten Antworten findet Jungen kreativ, pointiert und vor allem lustvoll mit der Autorfiktion spielend. Ob es sich um eine raffinierte Version einer Edition kleiner Texte des Autors handelt oder tatsächlich um ein algorithmisiertes Interview, spielt für Jungen gar keine allzu große Rolle. Am Ende entsteht das Psychogramm eines romantischen Geistes, meint er.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2018

Gerhard Melzer mag das Verwirrspiel des Autors mit seinen Lesern, das Clemens J. Setz recht ausgiebig zu spielen weiß, so auch im neuen Buch. Allerdings ist Setz für den Rezensenten auch umso mehr da, je mehr er sich entzieht, indem er die Grenzen zwischen Erfindung und Wahrheit verwischt. Die Befragung der Journale des Autors ergibt denn laut Melzer auch eine Art Setz-Reader mit einer ins Unendliche verweisenden Frage-Antwort-Schleife, gespeist aus den Werken des Autors. Ein irrlichternder Kosmos der Vorstellungen und Erscheinungen mit genau einem Orientierungspunkt, meint Melzer: der Tierliebe des Autors.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.02.2018

Lothar Müller kommt dem Autor doch auf die Spur, da kann sich Clemens J. Setz noch so geschickt hinter Bots verstecken, die angeblich an seiner Stelle Antworten geben, während die Lektorin in der Rolle Eckermanns Fragen stellt. Man achte auf die Tiere in diesem kleinen Buch, rät Müller, der zwischen den hier versammelten Reise- und Lektüreaufzeichnungen den nerdigen, wachen Geist, das Sprachgefühl und die Fantasie des Autors immer wieder hervorschauen sieht. Vor allem das Unbekannte im Bekannten vermag ihm der Bot, äh Autor, stets recht gut herauszuschälen, etwa wenn es um Rilkes Panther geht oder die Verwandtschaft zwischen Passwörtern und Zaubersprüchen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.02.2018

Seit Clemens J. Setz glaubt Hubert Winkels wieder an die Literatur. Gerade weil der Autor sich so konsequent jeder Schublade verweigert und nun offenbar sogar eine Maschine an seiner Stelle Interviews führen lässt. Für Winkels eine Art digitales Quiz, das dem Leser Trouvaillen aus dem Setz'schen Zettelkasten-Universum zu teil werden lässt. Die leichte Verschiebung zwischen Frage und Antwort ist für Winkels Ausweis der rührenden Genialität des Autors, seines maliziösen Humors und seines Hangs zum Bizarren und zu Nonsens. In den Texten dieses Autors, schließt Winkels scharf, geht es eben immer um etwas anderes.