Clarice Lispector

Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau

Sämtliche Erzählungen I
Cover: Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau
Penguin Verlag, München 2019
ISBN 9783328600947
Gebunden, 416 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Portugiesischen von Luis Ruby. Idalina sucht einen Weg zwischen Vernunft und Leidenschaft, Luísa ringt um innere Stärke und Tuda um ein Leben ohne Therapeuten. In Kurzprosa lotet Clarice Lispector die Paradoxien des Daseins und die Grenzen des Sagbaren aus: Wahnsinn wird zu Weisheit, Angst zu Mut, wenn sie das Innerste ihrer nur auf den ersten Blick alltäglichen Figuren - meist Frauen - nach außen kehrt. International als einer der Höhepunkte brasilianischer Literatur bekannt, kann Lispectors Kurzprosa mit dem vorliegenden Band mit vierzig teils erstmals ins Deutsche übertragenen Geschichten im deutschsprachigen Raum entdeckt werden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.02.2020

Rezensentin Marie Schmidt liest die sämtlichen Erzählungen von Clarice Lispector in der Übersetzung von Luis Ruby mit Freude. In konzentriertester Form, so Schmidt, ist die Autorin hier zu erleben, der Leser kann nachvollziehen, wie sich die Autorin entwickelt, ihren Stil und ihre psychologische Exaktheit herausbildet. Vor allem die Entwicklung der Frauengestalten fällt Schmidt auf und wie Lispector die seelischen Abdrücke mangelnder Gleichberechtigung seziert. Immer wieder bewundert die Rezensentin die "melancholische Ironie" und die "existenzielle Komik" der Autorin.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.01.2020

Rezensent Fokke Joel freut sich, dass die Erzählungen der brasilianischen Autorin Clarice Lispector jetzt in diesem Sammelband wiederentdeckt werden können: Seiner Meinung nach beherrscht Lispector die Kunst, die Widersprüchlichkeit des modernen Lebens "anhand einfacher Frauenschicksale" aufzuzeigen. Die Protagonistinnen reiben sich einerseits an den Restriktionen, die ihnen Männer und Gesellschaft auferlegen, tun sich andererseits aber auch schwer mit der freien Wahl zwischen unendlich vielen Möglichkeiten, die die Moderne auszeichnet, erklärt der Kritiker. Mit den Folgen dieser Freiheit thematisiert Lispector in Joels Augen das Grundproblem unserer Lebenswelt, weshalb er die Erzählungen unbedingt lesenswert findet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2019

Die in der Ukraine geborene und in Brasilien aufgewachsene Schriftstellerin Clarice Lispector galt hierzulande bisher als Geheimtipp. Rezensentin Maria Frisé empfiehlt ihren Leserinnen, diesem Tipp nachzugehen. Unter dem Titel "Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau" hat der Penguin Verlag nun den ersten Band sämtlicher Erzählungen herausgebracht, von denen einige damit erstmals auf Deutsch vorliegen. Die literarische Qualität der ersten zehn ist laut Frisé diskutabel aber nicht offensichtlich. Darauf folgen "Familiäre Verbindungen", denen die Rezensentin, wie es scheint, mehr abgewinnen kann. Wer Spannung und Dramatik will, der braucht sich auf Lispector erst gar nicht einzulassen. Ihr geht es hier, wie auch schon in ihrem ersten Roman, vor allem um das Seelenleben ihrer weiblichen Figuren, welches bis auf kleinste observiert und dargestellt wird, so Frisé. Dies tut die Autorin in einer wunderbar vielfältigen Sprache und mit zahlreichen Vergleichen, die dem Leser einige Geduld abverlangen, aber dafür oftmals überraschen. Dabei lässt sie stets einen subtilen, treffenden Humor mitschwingen, der ihren Alltagsbeschreibungen Würze verleiht, so die schließlich überzeugte Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.11.2019

Rezensent Thomas Palzer bedauert sehr, dass die brasilianische Autorin Clarice Lispector hierzulande noch immer ein Geheimtipp ist. Er erkennt im Schreiben der feministischen Literaturikone große Kunst. Dankbar nimmt er daher diesen Band mit Erzählungen auf, in denen Frauen im Café auf eine Verabredung warten oder aus ihrer faden Ehe flüchten. Wie frisch und ungewöhnlich ihr Ton immer noch sei, freut er sich, und selbst komplexeste Gefühlslagen beschreibe sie ganz unkompliziert, versichert Palzer.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.11.2019

Maike Albath begrüßt den ersten Band einer zweibändigen Ausgabe mit den Erzählungen von Clarice Lispector. Nachzulesen ist laut Albath, wie die Autorin schon früh den Sprung in die Moderne schaffte, indem sie den alltäglichen Kampf zwischen Realität und innerer Wirklichkeit bevorzugt in der weiblichen Psyche in einer "zupackenden" und bildhaften Sprache aufzeichnete. Ein Ei, ein blinder Mann mit Kaugummi, ein Abendessen führen zu einer verschobenen Wahrnehmung der Welt, einem Blick auf etwas Existenzielles und Stuhl und Tisch scheinen auf einmal aus Fleisch zu sein. Lispectors Blick in die dunklen Seelenecken der Frau hat aber auch komische Seiten, versichert Albath.