Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Ein rauschendes Fest im Hollywood der vierziger Jahre: Inmitten von Glanz und Glamour bestätigt sich Stephen Monks Verdacht, dass seine Frau Jane ihn betrügt - er erwischt sie in flagranti. Kurzerhand verlässt er Jane und sein altes Leben und zieht zu seiner Tante nach Pennsylvania. Hier auf dem Land kommt er zur Ruhe und kann seinen Gedanken nachhängen, vor allem an seine erste Ehe mit Elizabeth, seiner wahren großen Liebe. Zusammen reisten sie quer durch die Welt, bis Elizabeth unerwartet starb. Stephen fasst den Plan, ihre Briefe als ihr Vermächtnis herauszugeben. Doch die Briefe enthüllen unliebsame Wahrheiten über ihre Beziehung und über ihn selbst, den Getriebenen. Erstmals liegt Christopher Isherwoods Werk von 1954, das seinerzeit auch durch sein offenes Bekenntnis zur Homo- und Bisexualität viel Beachtung fand, in deutscher Übersetzung vor: ein eleganter, schillernder Roman über den Einzelnen in einer Welt mit sich wandelndem Wertekompass, über Schein und Sein, Rausch und Lust, Liebe und Freiheit und nebenbei ein atmosphärisches Panorama Europas und der USA von den Wilden Zwanzigern bis zum Zweiten Weltkrieg.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.09.2019
Jan Kedves amüsiert sich himmlisch mit Christopher Isherwoods Roman von 1954 in der deutschen Erstübersetzung von Hans-Christian Oeser. Das negative Urteil des Autors über seinen Text möchte er ebensowenig teilen wie Susan Sontags Beurteilung von Isherwoods Thematisierung des Camp im Buch als "faul". Kedves lernt hier nicht nur Wissenswertes, Lustiges über Camp, sondern unterhält sich richtig gut mit den lose aneinandergereihten Überlegungen über Dreiecksbeziehungen, Schreiben, Sex und Sterben, die der Erzähler ans Krankenbett gefesselt anstellt.
Angesichts des aktuellen "verbalen Getöses" aus der englischsprachigen Welt freut sich Rezensentin Bettina Baltschev über die kluge, von feiner Selbstironie geprägte Erzählstimme Christopher Isherwoods und dessen klare antifaschistische Positionierung in diesem Roman von 1954 um einen jungen Dandy, der auf seine Beziehungen zu Frauen und Männern zurückblickt. Die Qualen der sexuellen Emanzipation und der Verdrängungsmechanismen seiner Figur kann ihr Isherwood wie in all seinen Büchern subtil, aber bedeutungsvoll und auf unterhaltsame Weise vermitteln.
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