Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2000
Michael Gassmann entpuppt sich in seiner Rezension nicht gerade als eingefleischter Fan der "historischen Aufführungspraxis" - zumindest nicht in ihrer dogmatischen Ausprägung. So zeigt er sich beinahe amüsiert über den Beitrag Christoph Wolffs in dieser Festschrift für Nikolaus Harnoncourt, in dem der Begriff einer `historischorientierten` Aufführungspraxis geprägt wird - weil die Formulierung `historische Aufführungspraxis` nach Wolffs Ansicht "in seiner Suggestion von Wahrhaftigkeit anmaßend" sei. Auch Roger Norringtons Begeisterung für eine Aufführung von Tschaikowskys erstem Klavierkonzert auf einem Erard-Flügel von 1870 kann Gassmann nicht so recht folgen und fragt sich, wohin dass führen soll, wenn beispielsweise auch "von neoklassizistischer Praxis inspirierte Kompositionen" bald `historischorientiert` aufgeführt werden. Augenzwinkernd merkt er an, dass dann die historischorientierte Rezeption eigentlich überfällig wäre und stellt sich schon vor, wie es wäre, würde das Publikum während einer Oper plaudern und "schlechten Sopranistinnen die abgenagten Hähnchenschenkel vor die Füße" schleudern.
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