Christoph Wilhelm Aigner

Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk

Roman
Cover: Die schönen bitteren Wochen des Johann Nepomuk
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2006
ISBN 9783421059574
Gebunden, 448 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Jetzt bin ich so alt wie Mariella damals. Das ist sieben Jahre her. Manchmal scheinen mir zwei Leben seitdem vergangen zu sein, zuweilen kommt's mir vor, als hätte sich bloß ein Tag wie ein weißes Blatt dazwischengeschoben." Johann Nepomuk Müller steht, obwohl erst siebzehn Jahre alt, mit den Beinen fest im Leben. Er ist ein Riesenfußballtalent und hat gelernt, für sich selbst zu sorgen. Vom Vater, der Frau und Sohn verlassen hat, hat er nichts zu erwarten, von der aus der Bahn geworfenen Mutter außer Vorwürfen und Geldforderungen auch nichts. Der Besuch des Gymnasiums ist für ihn ein Luxus, den er sich durch Gelegenheitsjobs verdienen muss.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.02.2007

Gleich mit seinem ersten Buch versucht sich Christoph Wilhelm Aigner in die "ehrenwerte Galerie der österreichischen Nestbeschmutzer" einzureihen, und Judith Leister möchte ihm die Aufnahme nicht verwehren. Denn sie hat hier ein "spannendes" Buch über die siebziger Jahre in einem österreichischen Kaff vorgefunden. Aigner legt die Geschichte um den Teenager Johann, der durch die ältere Mariella aus seiner Verrohung herausgerissen wird, als Bildungsroman mit zahlreichen literarischen Verweisen auf etwa Karl Philipp Moritz' Klassiker "Anton Reiser" an. Diese Retrospektive wird durchbrochen vom Jugendslang, in dem Aigner seinen Protagonisten ausgiebig baden lässt. Leister gefällt das alles recht gut, nur die Person der Mariella ist ihr als Unfall- und Vergewaltigungsopfer sowie Tochter einer jüdischen KZ-Überlebenden symbolisch ein wenig zu überladen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2007

Die Enttäuschung ist Sandra Kerschbaumer deutlich anzumerken. Mit Spannung hat sie das erzählerische Debüt des Lyrikers Christoph Wilhelm Aigner erwartet, wurde überrascht von der Derbheit der Sprache in diesem Buch, von Lyrismen im Genre der Adoleszenzliteratur und dem Leitmotiv menschlicher Nächstenliebe und fand den Roman schließlich überambitioniert. Das "reizvolle Spannungsfeld" zwischen Stärke und Mitleid, das Aigner mit seiner Geschichte entwirft, sieht Kerschbaumer durchkreuzt von einer Klischees produzierenden historischen Ebene, die zu der anvisierten "umfassenden Gesellschaftsdiagnose" nichts beisteuert. Weniger wäre mehr gewesen, meint Kerschbaumer und hätte dem Autor gern die jüngere Geschichtswissenschaft empfohlen, in der das "Fortwirken von Mentalitäten nach dem Krieg" keine so große Rolle spielt.

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