Michael Schindhelm

Die Herausforderung

Roman
Cover: Die Herausforderung
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2004
ISBN 9783421056443
Gebunden, 316 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

In den letzten Wochen des Wahlkampfs in einem der neuen Bundesländer dramatisiert sich die Situation für den aus dem Westen stammenden Spitzenpolitiker Hannes Müller. Als er mit seinem Adoptivsohn unterwegs ist, kommt es zu einer Konfrontation mit Jugendlichen. Müller ohrfeigt nach einer antisemitischen Provokation im Affekt den Wortführer. Er wird erkannt, und in der Folge führen Medien und Öffentlichkeit eine Hetzkampagne gegen ihn. Auch Müllers Ehe verändert sich, ohne dass er die Fäden in der Hand behält. Christine, die viele Jahre in Kairo gelebt hat, war ihm mit ihrem halbarabischen Sohn in die ostdeutsche Provinz gefolgt. Und nun spürt er, wie die Frau, die ihn fasziniert und die er liebt, ihm entrinnt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2005

Michael Schindhelms Roman "Die Herausforderung" hat Rezensent Gieri Cavelty keineswegs überzeugt. Schlicht "unausgegoren" erscheint ihm die Geschichte von Sebastian Müller, der aus unerfindlichen Gründen sozialdemokratischer Spitzenkandidat für das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten wird und seine jüdische Herkunft zu verheimlichen sucht, um nach verlorener Wahl beschwingt nach London zu gehen. Dabei geht die Ehe des glücklosen Kandidaten in die Brüche und der Stiefsohn wird verhaltensauffällig. "Der Rest ist ein Potpourri aus Talkshow-Zitaten, Wahlkampfrhetorik und politischem Pipapo", urteilt Cavelty, "Alles klingelt und blinkt" und verdeutliche damit nur die "Aufgesetztheit" der Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.05.2005

Die Rezensentin Katrin Bettina Müller erklärt, was es in Michael Schindhelms Roman mit der titelgebenden Herausforderung auf sich hat: Der Intellektuelle Sebastian Müller wird Kandidat zum sächsischen Ministerpräsidenten und bemerkt, wie ihn die arme und oberflächliche Sprache, die seine Anpassung zum Politiker mit sich bringt, innerlich immer mehr aushöhlt. Es gehe also darum, zwei grundverschiedene "Sprachräume" - den inneren und den äußeren - auszubalancieren. Schon dieses unvereinbare "Nebeneinander der beiden Tonlagen" gab der Rezensentin Anlass zur Sorge - schließlich ist Schildhelm Theaterintendant in Basel und bald Generaldirektor der Opernstiftung in Berlin und müsse daher Kunst und deren politische Repräsentanz vereinbaren können. Darüberhinaus hat Müller jedoch auch einiges an Schindhelms Umsetzung dieses Plots auszusetzen. Zum einen wirke die innere sprachliche Welt, die im Gegensatz zum glatten, politischen Rhetorik stehe, überladen poetisch und tiefgründig. Und zum anderen seien die politischen Gespräche nicht nur langweilig, weil insiderhaft lakonisch, sondern auch ungelenk. Sogar der Erzählstrang, den die Rezensentin für den schönsten hält - Müllers Beziehung zu seinem Schwiegersohn Aziz - werde von allerhand Experimenten und Manierismen heimgesucht. Schade um die "guten Anlagen", aber der Roman wirkt nicht "wie aus einem Guss", so das Fazit der Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.02.2005

Was hat dieser Roman mit dem Theater zu tun? Michael Schindhelm, erklärt uns Thomas Steinfeld, ist noch Theaterintendant in Basel und schon der neue Direktor der Berliner Opernstiftung. Nun findet Steinfeld, dass sich das zeitgenössische Theater in einem desolaten Zustand befindet (wofür Schindhelm nichts kann), weil es die Wirklichkeit, "die Milieus nicht zu transzendieren" vermag. Schindhelm hat nun nach Meinung von Steinfeld "das Elend des zeitgenössischen Theaters" in den Roman übertragen (wofür Schindhelm was kann) und ist deswegen gescheitert, weil er statt auf die Kunst und ihre eigenen Mittel zu vertrauen, auf theatralische Weise übertreibe. Es sei nicht so, als könne Schindhelm nicht schreiben, versichert Steinfeld an anderer Stelle, manches wirke durchaus elegant. Aber er schreibe die Welt zu, lasse nichts aus, scheue vor keiner Metapher zurück und produziere deswegen leider haufenweise schräge Bilder. Die Geschichte vom gescheiterten Leiter eines Goethe-Instituts, der in Ostdeutschland Parteikarriere macht, findet er ansonsten nicht schlecht, ein bißchen seifenoperig, weshalb ja auch der Verfasser auf den schrägen Vergleichen ausgeglitscht ist.
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